Qualität, schwarz auf weiß

Erfolgreiche Evaluation evangelischer Internate

Das Gute ist der Feind des Besseren, sagt das Sprichwort. Der Prozess der Qualitätsentwicklung hat erst begonnen.

Evangelische Internate machen gute Arbeit. Seit dem Februar 2009 ist dies sozusagen amtlich. Denn es liegen die Ergebnisse einer Befragung unter elf evangelischen Internaten vor, die in die Zufriedenheit von Schülern, Eltern und Mitarbeitern evangelischer Internate untersucht hat. Die Auswertung der Fragebögen hat einen Qualitätsnachweis erbracht. Jetzt beugen sich alle Beteiligten über die genauen Zahlen. Das Gute ist der Feind des Besseren, sagt das Sprichwort. Der Prozess der Qualitätsentwicklung hat erst begonnen.

Auf den ersten Blick schien es nur eine unübersichtliche Zahl statistischer Angaben zu sein, die da auf dem Schreibtisch der Internatsleiter lagen. Aber schon beim zweiten Hinsehen waren wichtige Aussagen möglich: 57 Prozent der Eltern begrüßen, dass das Internat ihres Kindes eine evangelische Einrichtung ist. 78 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie in ihrem Internat geeignete Hilfe bekommen um sich schulisch zu verbessern, und 62 Prozent der Schüler sind sich sicher: Im Internat arbeiten sie mehr für die Schule als vorher.

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Die Befragung ist Teil einer Qualitäts- offensive, die die Evangelischen Internate in Deutschland vor zwei Jahren eingeleitet haben. Auf ihrer Jahrestagung in Berlin im Frühjahr 2006 beschäftigten sie sich erstmalig mit Modellen der Evaluation. Allen Teilnehmern war klar, dass die evange- lischen Internate in Deutschland gute Arbeit leisten, aber es gab keine Möglichkeit, dies nachzuweisen. So machten sich die versammelten Internatsleiter daran, Kriterien zu erarbeiten, an denen gute evangelische internatsarbeit gemessen werden könnte. Sie entschieden sich für das international erprobte Evaluations- instrument SEIS (Selbstevaluation in Schulen). Den SEIS-Fragebogen hatten bereits die Landerziehungsheime in aufwändiger Arbeit um einen Internatsteil erweitert, damit auch zu den Stärken und Schwächen der Arbeit von Internaten und Schülerheimen Daten erhoben werden könnten.

Im Internat üben Schüler, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, lernen sich für Schwache einzusetzen, finden viele neue Freunde und stellen fest, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich wirklich dafür einsetzen.

Für die Auswertung und Kommentierung der Ergebnisse, die zunächst um den Aspekt evangelischer Internatsarbeit erweitert wurden, fanden die evangelischen Internate das Institut für Schulentwicklung der Deutschen Sporthochschule Köln als Partner, die die Fragebögen ein weiteres Mal wissenschaftlich überprüften und die anonym gesammelten Daten auswerteten. Im Dezember waren die Fragebögen an Schüler, Eltern und Mitarbeiter versandt worden, nach weniger als zwei Monaten lagen bereits im Februar die Antworten vor.

Das Ergebnis: Die beteiligten evangelischen Internate erfüllen ihren Auftrag der Bildung und Erziehung junger Menschen auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes gut. Bei fast allen Indikatoren lag die Zustimmung von Schülern, Eltern oder Mitarbeitern über 50%. Besonders hohe Zufriedenheitsnoten wurden den Internaten im Bereich der Selbstkompetenz, der sozialen Verantwortung und der Internatsgemeinschaft erteilt: Im Internat üben Schüler, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, lernen sich für Schwache einzusetzen, finden viele neue Freunde und stellen fest, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich wirklich dafür einsetzen. Auch ganz Praktisches kann jetzt belegt werden: Räumlichkeiten und Tagesablauf im Internat sind so gestaltet, dass Schülerinnen und Schüler gut lernen können. 66 Prozent der Schüler und 77 Prozent der Eltern sind davon überzeugt. Schüler im Internat sind in der Schule weniger blockiert, denn das Verhältnis zu ihren Lehrerinnen und Lehrern hat sich verbessert: 50 Prozent der Schüler und 63 Prozent der Eltern nehmen das wahr. Auch Familien profitieren von dem Internatsaufenthalt ihrer Kinder: 58 Prozent der Schüler, aber 80 Prozent der Eltern nehmen wahr, dass sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder verbessert hat. Bei fast zwei Drittel aller Schüler sind auch die Noten besser geworden als sie vorher waren.

Die Arbeit der evangelischen Internate – eine Erfolgsgeschichte? Ja und nein. Fast nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte. Die Zustimmungsraten zu den Indikatoren, die die Vernetzung zwischen Erziehern, Eltern und Schülern beleuchten, sind nicht überall gleich hoch. Womöglich werden verbesserte Dokumentationen der Gespräche und neue Beratungsangebote nötig sein, um die Abstimmung sichtbarer zu machen und zu verstärken. Denn wo evangelische internatsarbeit gelingt, da gelingt sie besser, wenn Eltern, Schüler und Mentor zusammenarbeiten.

Das Ergebnis der Evaluation ist ein Auftakt. Die beteiligten Internate wollen in zwei Jahren, wenn eine solche Evaluation ein weiteres Mal durchgeführt wird, an diesen Stellen noch besser abzuschneiden.

Werden diese Ergebnisse nun in die Schublade gelegt, wo sie – gut gehütet – vergessen werden? „Nein“, sagt Gert Hilscher, Internatsleiter des Bodelschwingh-Gymnasiums in Windeck-Herchen: „Ein Qualitätszirkel wird sich mit den Ergebnissen beschäftigen und Vorschläge erarbeiten.“ Es gibt Stärken, die es auszubauen gilt, und Schwächen, die bearbeitet werden müssen. „Wesentlich an dieser Evaluation ist, dass sie in mehreren Internaten durchgeführt worden ist. „So ist auch abzulesen, wie die eigene Einrichtung im Vergleich der evangelischen Internate abgeschnitten hat“, sagt Hilscher, für dessen Einrichtung eine Evaluation nichts Neues ist.

Ähnlich sieht es Arnd Rutenbeck, Leiter des Evangelischen Internats Dassel in Niedersachsen, den die Ergebnisse nicht überrascht haben. Denn auch hier hat schon bisher Qualitätsmanagement stattgefunden. „Eine Steuerungsgruppe wird sich mit den Ergebnissen befassen und einen Arbeitsvorschlag machen, mit dem sich alle am Internatsleben Beteiligten an einem Klausurtag befassen.“

Das Internat des Trifels-Gymnasiums Annweiler in Rheinland-Pfalz hat die Ergebnisse umgehend ausgewertet und sowohl in einem dreiköpfigen Arbeitskreis sowie anschließend in der Erzieherkonferenz beraten. Zwei kurzfristige, zwei mittelfristige und zwei langfristige Qualitätsziele hat sich die Einrichtung vorgenommen.

Das Ergebnis der Evaluation ist ein Auftakt. Die beteiligten Internate wollen in zwei Jahren, wenn eine solche Evaluation ein weiteres Mal durchgeführt wird, an diesen Stellen noch besser abzuschneiden.

Und noch ein weiterer Wunsch bleibt offen: 25 Einrichtungen haben sich in diesem Jahr noch nicht an der EID-Initiative beteiligt, viele von ihnen setzen auf eigene Qualitätsprogramme. An der ersten gemeinsamen Evaluation evangelischer Internate haben sich erst 11 Einrichtungen beteiligt. Ein Ergebnis, das im Jahr 2011 steigern lässt.

Horst Heller in „klasse, die evangelische Schule“ Heft 1/2009

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