Das Gute ist der Feind des Besseren, sagt das Sprichwort. Der Prozess der Qualitätsentwicklung hat erst begonnen.
Evangelische Internate machen gute Arbeit. Seit dem Februar 2009 ist dies sozusagen amtlich. Denn es liegen die Ergebnisse einer Befragung unter elf evangelischen Internaten vor, die in die Zufriedenheit von Schülern, Eltern und Mitarbeitern evangelischer Internate untersucht hat. Die Auswertung der Fragebögen hat einen Qualitätsnachweis erbracht. Jetzt beugen sich alle Beteiligten über die genauen Zahlen. Das Gute ist der Feind des Besseren, sagt das Sprichwort. Der Prozess der Qualitätsentwicklung hat erst begonnen.
Auf den ersten Blick schien es nur eine unübersichtliche Zahl statistischer Angaben zu sein, die da auf dem Schreibtisch der Internatsleiter lagen. Aber schon beim zweiten Hinsehen waren wichtige Aussagen möglich: 57 Prozent der Eltern begrüßen, dass das Internat ihres Kindes eine evangelische Einrichtung ist. 78 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie in ihrem Internat geeignete Hilfe bekommen um sich schulisch zu verbessern, und 62 Prozent der Schüler sind sich sicher: Im Internat arbeiten sie mehr für die Schule als vorher.
Im Internat üben Schüler, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, lernen sich für Schwache einzusetzen, finden viele neue Freunde und stellen fest, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich wirklich dafür einsetzen.
Für die Auswertung und Kommentierung der Ergebnisse, die zunächst
um den Aspekt evangelischer Internatsarbeit erweitert wurden, fanden die
evangelischen Internate das Institut für Schulentwicklung der Deutschen
Sporthochschule Köln als Partner, die die Fragebögen ein weiteres
Mal wissenschaftlich überprüften und die anonym gesammelten
Daten auswerteten. Im Dezember waren die Fragebögen an Schüler,
Eltern und Mitarbeiter versandt worden, nach weniger als zwei Monaten
lagen bereits im Februar die Antworten vor.
Das Ergebnis: Die beteiligten evangelischen Internate erfüllen ihren
Auftrag der Bildung und Erziehung junger Menschen auf der Grundlage des
christlichen Menschenbildes gut. Bei fast allen Indikatoren lag die Zustimmung
von Schülern, Eltern oder Mitarbeitern über 50%. Besonders hohe
Zufriedenheitsnoten wurden den Internaten im Bereich der Selbstkompetenz,
der sozialen Verantwortung und der Internatsgemeinschaft erteilt: Im Internat
üben Schüler, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen,
lernen sich für Schwache einzusetzen, finden viele neue Freunde und
stellen fest, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich wirklich
dafür einsetzen. Auch ganz Praktisches kann jetzt belegt werden:
Räumlichkeiten und Tagesablauf im Internat sind so gestaltet, dass
Schülerinnen und Schüler gut lernen können. 66 Prozent
der Schüler und 77 Prozent der Eltern sind davon überzeugt.
Schüler im Internat sind in der Schule weniger blockiert, denn das
Verhältnis zu ihren Lehrerinnen und Lehrern hat sich verbessert:
50 Prozent der Schüler und 63 Prozent der Eltern nehmen das wahr.
Auch Familien profitieren von dem Internatsaufenthalt ihrer Kinder: 58
Prozent der Schüler, aber 80 Prozent der Eltern nehmen wahr, dass
sich das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder verbessert hat. Bei
fast zwei Drittel aller Schüler sind auch die Noten besser geworden
als sie vorher waren.
Die Arbeit der evangelischen Internate – eine Erfolgsgeschichte?
Ja und nein. Fast nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden
könnte. Die Zustimmungsraten zu den Indikatoren, die die Vernetzung
zwischen Erziehern, Eltern und Schülern beleuchten, sind nicht überall
gleich hoch. Womöglich werden verbesserte Dokumentationen der Gespräche
und neue Beratungsangebote nötig sein, um die Abstimmung sichtbarer
zu machen und zu verstärken. Denn wo evangelische internatsarbeit
gelingt, da gelingt sie besser, wenn Eltern, Schüler und Mentor zusammenarbeiten.
Das Ergebnis der Evaluation ist ein Auftakt. Die beteiligten Internate wollen in zwei Jahren, wenn eine solche Evaluation ein weiteres Mal durchgeführt wird, an diesen Stellen noch besser abzuschneiden.