Die Bezeichnung Landerziehungsheim geht auf Hermann Lietz zurück, der die erste Schule dieser Art im Jahre 1898 gründete:
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LEH-Internate liegen absichtsvoll nicht in Städten, sondern auf dem Land (meist in sehr eindeutig geprägten Landschaften - von einer Nordseeinsel
bis zu den Mittelgebirgen). Wie ihre Gründer sind die LEH-Internate auch heute der Überzeugung, dass es nicht gleichgültig ist, in welcher Umwelt ein
junger Mensch aufwächst und welche Eindrücke ihn dort prägen.
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LEH-Internate sind Wohnschulen, die Erziehung, also eine umfassende Persönlichkeitsbildung, für ihre wichtigste Aufgabe halten. Sie wollen die
Kopflastigkeit und die einseitige Überbewertung von intellektuellen Leistungen vermeiden, die der Normalschule mit Recht vorgeworfen werden.
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LEH-Internate sind Wohnschulen, die nicht Institute oder Anstalten sein wollen, sondern ein Heim, ein Ort also, wo man als Kind oder Jugendlicher
heimisch werden kann. Für viele ihrer Schülerinnen und Schüler sind sie während wichtiger Lebensjahre ein zweites Zuhause. In vielen LEH-Internaten
wohnen auch fast alle Lehrerinnen und Lehrer mit im Heim.
In der Vereinigung Deutscher Land erziehungsheime e.V. sind heute fünfzehn selbstständige LEH-Internate (vierzehn in Deutschland und eines in der Schweiz)
zu einem gemeinnützigen Verband zusammengeschlossen. Sie fühlen sich durchaus als Erben dieser besonderen pädagogischen Tradition. Aber sie haben diese Tradition
fortentwickelt. Jedes einzelne LEH-Internat hat seinen eigenen gemeinnützigen Träger. Schulrechtlich sind sie anerkannte Ersatzschulen, das heißt unter
anderem, dass die an ihnen erworbenen Zeugnisse unter den gleichen Bedingungen erteilt werden und die gleichen Berechtigungen verleihen wie die Zeugnisse staatlicher Schulen.
Die Kosten, die den Eltern entstehen, sind wegen der unzureichenden staatlichen Unterstützung bei der Finanzierung nicht-staatlicher Schulen nicht unerheblich.
Den LEH-Internaten ist die Problematik, die sich daraus ergibt, bewusst. Fast alle haben darum Stipendienfonds eingerichtet und versuchen, durch Voll- und Teilstipendien im
Rahmen des ihnen Möglichen Abhilfe zu schaffen. LEH-Internate sind konfessionell nicht gebunden. Sie stehen grundsätzlich Jungen und Mädchen aller Religionen und Nationen offen.
Über das Aufwachsen im LEH-Internat
LEH-Internate verstehen sich vor allem als Ergänzung und als Alternative, als einen Lebensraum, der Jungen und Mädchen Chancen für Erfahrungen
eröffnet, die sie so weder im Elternhaus noch in einer Halbtagesschule machen könnten. Das gilt auch und gerade für die Jungen und Mädchen, die das
Glück eines verlässlichen Elternhauses haben.
- mit anderen Kindern und Jugendlichen in einer geordneten Gemeinschaft aufwachsen und dabei lernen, auch mit Menschen zusammenzuleben und zu
arbeiten, die sie sich nicht ausgesucht haben, also lernen, die eigenen Interessen mit den Interessen anderer in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen;
- lernen mit und von Erwachsenen, die nicht austauschbare Lehrpersonen sein wollen, sondern Menschen, die ihnen - in einer verantworteten Balance
zwischen Nähe und Distanz - auch außerhalb des Unterrichts begegnen, Zeit für sie haben, ihnen zuhören und helfen, wenn es nötig ist;
- in überschaubaren Gruppen und in gemeinsamer Arbeit wichtigen Fragen auf den Grund gehen, neue Interessen entwickeln und dabei zugleich die Fähigkeiten
und Fertigkeiten erwerben, die zum Beispiel für den beabsichtigten Schulabschluss nötig sind;
- Freundschaften schließen, die oft ein Leben lang Bestand haben;
- durch Gespräche und Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen und Erwachsenen über Gegenwarts- und Zukunftsprobleme oder über wichtige Lebens fragen zu
eigenen Überzeugungen und Entscheidungen kommen und lernen, für sie einzustehen;
- gemeinsam reisen oder sich in Outward-bound-Situationen bewähren;
- vieles tun, wozu es zu Hause und in der bisher besuchten Schule keine Möglichkeit gibt: handwerklich und künstlerisch arbeiten, mit anderen zusammen Musik
machen, Theater spielen, Sport treiben, Feste feiern, gemeinsame Projekte organisieren, Ver antwortung übernehmen, eigene und fremde Interessen wirkungsvoll vertreten;
- durch all diese Erfahrungen Selbstvertrauen und Selbstständigkeit gewinnen.
Erziehung für Kinder und Jugendliche von heute
Bildung und Erziehung sind nach dem Verständnis der LEH-Internate nicht von einander zu trennen. LEH-Internate wollen ausdrücklich erziehen. Sie
wollen ihren Schülerinnen und Schülern bestimmte Erfahrungen ermöglichen. Es ist ihnen wichtig, dass Jungen und Mädchen auf diese Weise lernen,
ihr Leben an Werten zu orientieren, dass sie Einstellungen erwerben und Verhaltensweisen üben, die es ihnen ermöglichen, entsprechend zu handeln.
Erziehung verstehen die LEH-Internate also als Hilfe beim Aufwachsen und Erwachsenwerden.
Die Erziehungsziele der LEH-Internate lassen sich beschreiben mit Worten wie Mündigkeit, Neugier, Ernsthaftigkeit, Gemeinsinn, Verlässlichkeit,
Weltoffenheit, Verantwortungsbereitschaft und -fähigkeit, Leistungswillen, Bereitschaft zur Selbstkritik, Fähigkeit, mit anderen zusammen
zuarbeiten, ohne sich selbst auf zu geben. Aber ebenso gehören dazu auch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft oder Politikfähigkeit und die Lust,
etwas zu bewirken, oder Bescheidenheit und Bereitschaft zum persönlichen Verzicht. Alle LEH-Internate erwarten von ihren Schülerinnen und Schülern
Engagement über den Unterricht hinaus, sei es durch Mitwirkung an der Gestaltung des Alltags, in den Ämtern und Aufgaben des Internats, sei es bei
sozialen Diensten wie Schulfeuerwehr, Rettungsdienst, Kinder- oder Altenbetreuung, sei es bei Chor, Instrumentalmusik oder Theater oder sei es bei
Sport und Spiel, Fest und Feier.
Dr. Hartmut Ferenschild