Thüringischer Ministerpräsident Bodo Ramelow besuchte Lietz Internatsdorf Haubinda



Am 24. Oktober 2018 besuchte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow das Lietz Internatsdorf Haubinda und diskutierte mit rund 30 Schülerinnen und Schülern über Demokratie, Zukunftsvisionen, Kultur und auch über ganz persönliche Dinge.

Burkhard Werner, Internats- und Schulleiter des Lietz Internatsdorf Haubinda, empfing gemeinsam mit Schulkanzlerin Sophie Reichert den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow samt Begleitung direkt am Eingang des großen Internatsgeländes und zeigte ihm auf dem Weg zum Haupthaus unter anderem das Backhaus, den Dorfladen und natürlich auch die Baustelle für den neuen Sportplatz, der zum Schulfest im Mai 2019 eingeweiht werden soll. Ein Spaziergang durchs grüne Haubinda war der perfekte Start für einen ereignisreichen Nachmittag, frische Luft und Bewegung beleben schließlich auch den Geist.

In der Kapelle im Haupthaus angekommen eröffnete Burkhard Werner die Veranstaltung mit einer kurzen Rede. Er wies auf ein Imageproblem in Thüringen hin, unter anderem durch das weit über die Landesgrenzen hinweg bekannte Rechtsrockkonzert in Themar. Werner betonte die Wichtigkeit einer freien und demokratischen Gesellschaft, gerade in den neuen Bundesländern sollte die Erinnerung an vergangene Zeiten noch vorhanden sein. In Haubinda werden die Schülerinnen und Schüler daher von Beginn an mit demokratischen Prozessen in das Internatsleben einbezogen. Sei es das Schülerparlament oder die jährliche gewählte Schulkanzlerin.

Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht vor den SchülerInnen des Lietz Internatsdorf Haubinda

Bodo Ramelow bedankt sich für die herzliche Einladung, der er gern nachgekommen ist. Natürlich kann ein Ministerpräsident nicht jede Schule besuchen, allerdings sei Haubinda, als die erste Hermann-Lietz-Schule überhaupt, etwas Besonderes in Thüringen. Zur Überraschung der Anwesenden erklärte Ramelow dann, dass auch er eine „Lietz-Vergangenheit“ habe. Leider jedoch nicht als Schüler, sondern nur als Bewohner. Ramelows Mutter arbeitete in der damaligen Hermann-Lietz-Schule Nordeck. Er selbst besuchte eine öffentliche Schule, die er mit 14 Jahren bereits verließ. Seine schlechten Noten beruhten auf einer unentdeckten Legasthenie, wie sich später herausstellen sollte.

Er lobt die offene Art der Kommunikation in Haubinda und verurteilt das „Gewerbe Themar“, dass sich unter dem Deckmantel der Versammlungsfreiheit auf Kosten des Steuerzahlers abspielt. Dort werde „richtig Geld verdient“. Aufgrund der Eigentumsverhältnisse vor Ort hätte das Land allerdings keine Möglichkeit der Einflussnahme, Ramelow betonte ebenfalls, dass natürlich ein Großteil der Besucher in Themar zugereiste Nazis wären. Thüringen liege eben in der Mitte Deutschlands und Europas, so könnten Nazis aus allen Ländern leicht anreisen. Ramelow befindet, dass die Region Südthüringen zu Unrecht im rechten Licht dargestellt werde.

„Danke, dass ihr Demokratie an dieser Schule lebt“

Für den Thüringer Staatschef ist Demokratie alternativlos und er lobt die Bemühungen die in Haubinda mündige und kompromissbereite Menschen heranziehen. Mit „Danke, dass ihr Demokratie an dieser Schule lebt“ findet er das passende Schlusswort seiner Rede.

Es folgt die Fragerunde mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 5 bis 13. Hier wird die Frage der angehenden Abiturientin Sandy nach dem Wahlrecht ab 16 Jahren deutlich mit einem Ja des Ministerpräsidenten erwidert. Der Sechstklässler Leander möchte mehr über den typischen Tag eines Ministerpräsidenten erfahren und die gespannten Zuhörer staunen nicht schlecht, als Ramelow erklärt, sogar private Kinobesuche mit seinem Büro abstimmen zu müssen.

Auf die Frage von Leoni, 10. Klasse, welche Schule er besucht hätte und was sein Traumberuf war entgegnete Ramelow, dass er gern in eine Schule wie Haubinda gegangen wäre. Dort wäre ihm sicher einiges erspart geblieben, insbesondere durch die individuellere Betreuung, die ihm als Legastheniker sehr geholfen hätte.

Auf die Frage ob ein bundesweit einheitliches Bildungssystem nicht sinnvoller wäre wird es politisch. Ramelow spricht sich für bundeseinheitliche Rahmenbedingungen aus, die dann in den Ländern individuell ausgelebt werden könnten. Es mache aber keinen Sinn, dass SchülerInnen beim Umzug in ein anderes Bundesland aufgrund der zu unterschiedlichen Systeme die Leidtragenden sind. Dies wäre aber ein sehr langwieriger Prozess, den er immer wieder anstoßen möchte.

Die Fragen der Schülerinnen und Schüler sind bunt gemischt und erstrecken sich im weiteren Verlauf der Diskussion von der Deutsch-Deutschen Grenze über Kulturräume in Thüringen bis hin zur Umweltverschmutzung durch Plastik. Die entspannte Atmosphäre nimmt insbesondere den jüngeren Schülerinnen und Schülern zunehmend die Angst, die Stimmen werden klarer. Ramelow versucht jede Frage ausführlich zu beantworten, ohne Angst vor Abstechern in seine persönliche Geschichte. Diese spürbare Nähe kommt gut an und weckt das Interesse an seiner politischen Laufbahn. Der Ministerpräsident appelliert hier an das persönliche Engagement für ein echtes Ziel. Man müsse für seine Aufgabe brennen und nicht Politik als Selbstzweck sehen. So sei er selbst erst spät in eine Partei (PDS) eingetreten und habe zuvor viele Jahre in verschiedenen Engagements verbracht.

Bodo Ramelow trägt sich in das historische Gästebuch ein

Bodo Ramelow bittet abschließend alle positiv und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Anschließend eröffnet Schulkanzlerin Sophie Reichert das historische Gästebuch und bittet um den Eintrag des Thüringer Staatschefs. Burkhard Werner betont, dass dies das erste Gästebuch sei und seit 1901 geführt werde. Nachdem es für ungefähr 20 Jahre verschwunden war wird es nun in seinem Tresor aufbewahrt und für besondere Anlässe herausgeholt. Natürlich lässt es sich Bodo Ramelow nicht nehmen einen Eintrag in dieses geschichtsträchtige Gästebuch zu verfassen.



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