Internat Krüger
Schloss Torgelow

Endlich wieder Schule

Dass sie sich mal so sehr auf die Schule freuen, hätten sich die Schülerinnen und Schüler vor ein paar Monaten sicher selbst nicht vorstellen können. Nun ist es endlich soweit: Alle Klassen werden wieder vor Ort unterrichtet und zwar in der Unter- und Mittelstufe jeweils zu Hälfte im wöchentlichen Wechsel. Die anderen haben währenddessen weiterhin Online-Unterricht. ,,Bei mir sieht es in einer Klasse zum Beispiel so aus, dass die Hälfte Geometrie macht, während die anderen sich mit Prozentrechnung beschäftigen, so Mathelehrer Br. Bick.

Er ist zugleich für den Stundenplan mitverantwortlich und hatte in den vergangenen Tagen und Wochen jede Menge zusätzliche Arbeit. ,,Wir mussten die Stundenpläne ganz neu schreiben. Es gibt eine andere Taktung und auch die die Pausen wurden so gelegt, dass sich möglichst wenig Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof begegnen.“ Der Schulhof wurde in sechs Bereiche unterteilt, die den unterschiedlichen Klassen zugewiesen wurden.

Einige Schüler und Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, sind ganz vom Präsenzunterricht entbunden. Während in den Klassen 5 bis 11 im Präsenzunterricht vor allem die Hauptfächer Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und die Profilfächer unterrichtet werden, bleibt der OnlineUnterricht hauptsächlich in den Nebenfächern erhalten.

Auch wenn der Unterricht nach wie vor zeitlich eingeschränkt ist und die strengen Hygieneregeln weiterhin unter anderem Masken und Abstand gebieten, sind die Schülerinnen und Schüler froh, wieder an den Zinzendorfschulen zu sein. ,,Endlich ist ein bisschen Alltag eingekehrt und wir können unsere Freunde wieder sehen“, sagen sie unisono.

Abifeier in Corona-Zeiten

Zum Glück gilt die gesamte Biebersteiner Internatsgemeinschaft rechtlich gesehen als ein einziger Haushalt. Deshalb müssen wir untereinander auch das Abstands- und Vermummungsgebot nicht beachten. Und das bedeutete die Rettung für das Abiturfest.

Wenn schon die Eltern und Freunde nicht zum Feiern kommen durften, so doch wenigstens die Internatsgemeinde. Das gesamte Event fand deshalb in und um die festlich geschmückte Sporthalle statt. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto im Innenhof begann die Verabschiedung der diesjährigen AbiturientInnen mit dem feierlichen Einmarsch über den roten Teppich, jede/r zur eigenen Musik, und mit der Überreichung der Abitur- und Fachabiturzeugnisse durch die Schul- und Studienleitung. Der Rede des Schulleiters, Herrn Meister, der die Abiturkampagne dieses Jahres mit all ihren Überraschungen und Merkwürdigkeiten noch einmal Revue passieren ließ, folgten die Verleihungen der Preise für besondere Leistungen.

Das beste Abitur mit der Durchschnittsnote 1,3 legte Jiajie Zhu ab, die auch in den Sparten Mathematik und Chemie ausgezeichnet wurde, dicht gefolgt von Felix Tobermann und Nicolas Neugebauer. Der Kunstpreis ging an Luisa Arnold. Für sein sportliches Engagement wurde Kevin Kropf ausgezeichnet. Der wichtigste Preis unserer Schule ist der Andreesenpreis, der an SchülerInnen verliehen wird, die sich in besonderem Maße um die Internatsgemeinschaft verdient gemacht haben. Dieses Jahr wurde Victoria Streul für ihr vielfältiges und jahrelanges Engagement ausgezeichnet.

Daran schloss sich die Verabschiedung der einzelnen SchülerInnen durch ihre Familieneltern an, wobei manche Träne vergossen wurde als die Heimfamilieneltern die Werdegänge und Eigenschaften ihrer scheidenden Familienkinder während der letzten zwei bis drei Jahre noch einmal Revue passieren ließen. Es folgten die Grußworte der Jahrgangs- und Schülervertreter. Musikalisch wurde der Festakt wieder einmal von Tony Osanah abgerundet, der uns seit vielen Jahren die Treue hält und zu allen wichtigen Ereignissen aufspielt.

Danach begann das große Festessen, das unser Küchenteam um Thomas Schröter zubereitet hatte. Dies ging schließlich nahtlos in die Abschiedsfete über, die sich sowohl in der Sporthalle, wo auch getanzt wurde, rund um die umlagerte Photobox auf der Empore und auf dem Vorplatz zwischen Halle und Zollmannhaus entwickelte, wo Sitzgelegenheiten für den Aufenthalt im Freien aufgebaut worden waren. Und natürlich ging es bis tief in die Nacht.

Nach der großen Aufräumaktion am Morgen danach und der Abreise der jüngeren SchülerInnen war das Gelände wieder hergerichtet um eine würdige Abholung der AbiturientInnen durch ihre Eltern samt eines letzten, kurzen Umtrunks zu gewährleisten, diesmal natürlich unter Wahrung der Abstandsregeln. An verschiedenen Punkten des Geländes waren Pavillons aufgebaut, damit man sich treffen konnte und Mitte des Nachmittags fand im Milseburger Dreieck noch ein dezentrales Get-Together statt, bei dem sich die Eltern von der Lehrerschaft verabschieden konnten. Auch hier war wieder Tony dabei und spielte ein letztes Mal auf, diesmal begleitet von unserer Heimpatin Nina Dressen, die es sich nicht nehmen ließ, die Grüße des Altbürgervereins singend zu überbringen. So fand das Abitur auch unter Corona-Bedingungen noch einen würdigen Rahmen und ein schönes Ende.

Kurzvideo gibt Einblick in das Internatsleben in Hohenwehrda

Was ist so besonders im Lietz Internat Hohenwehrda?

In einem naturnahen Umfeld mit vielen angelegten Plätzen für Freizeit und Sport gemeinsam lernen und leben – inklusive eigenem Freischwimmbad. Das bietet die alternative weiterführende Internatsschule im Haunetal im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Das weitläufige Internatsgelände mit dem Schloss Hohenwehrda ist der ideale Ort für Kinder und Jugendliche zur Talent- und Persönlichkeitsentwicklung.

Kreativ zum Schulerfolg

Im Lietz Internat Hohenwehrda erleben Schülerinnen und Schüler nach ihrer Grundschulzeit weit mehr als Unterricht in Realschule, Gymnasium oder später in der Fachoberschule.

Sie gehen gemeinsam mit ihren Schulfreunden ihren Hobbys nach und sind darüber hinaus im Rahmen verschiedener Arbeitsgemeinschaften sowie Wahlpflichtfächer aktiv. Oft entdecken die Jugendlichen dabei verborgene Talente, die sie in unserer Internatsschule ausbauen können. Ob im musischen, kreativen, sportlichen, ökologischen oder handwerklichen Bereich – unsere Schüler werden hier individuell gemäß ihren Fähigkeiten und Stärken gefördert.

Das umfangreiche und vielfältige Freizeitangebot ergänzt nicht nur praxisorientiert den Stundenplan sondern stärkt auch den Zusammenhalt und das soziale Verhalten.

Gemeinsam lernen – und gemeinsam leben!

Jetzt Kurzvideo ansehen und Einblick in das Internatsleben in Hohenwehrda erhalten!

Schon gewusst?

Die Stiftung Stipendienfonds der Hermann-Lietz-Schulen vergibt Sozial- und Leistungsstipendien. SchülerInnen können sich somit für ein Stipendium bewerben. Weitere Informationen finden Sie unter Stipendien Lietz Internat Hohenwehrda.

Digitaler Altbürger-Treff am Lietz Internat auf Spiekeroog

Das Internat Hermann Lietz-Schule Spiekeroog veranstaltet für die ehemaligen Internatsschüler*innen, die sogenannten Altbürger – eine digitales Altbürgertreffen.

Einmal Lietzer, immer Lietzer: Ein Schulbesuch auf dem Spiekerooger Internatsgymnasium prägt fürs Leben. Weit über das Abitur hinaus steht das Inselinternat mit den ehemaligen Schüler*innen in Kontakt und Altbürgertreffen oder individuelle Besuche finden regelmäßig statt. Denn die Kraft der persönlichen Beziehung hat eine hohe Bedeutung in unserem Internatsalltag.

In der Corona-Zeit ist dies noch einmal bewusster geworden. Die Krise zwingt alle, neue Wege zu geben und so läuft auch am Lietz-Internat seit geraumer Zeit der digitale Schulbetrieb. Fast wie selbstverständlich haben Schüler*innen und Lehrer*innen von den Klassenräumen in virtuelle Konferenzräume gewechselt.

Der gelungene Schritt in das ,digitale Klassenzimmer‘ hat den Gedanken entstehen lassen, auch die Lietzer Altbürger in einem virtuellen Treffen zusammen zu bringen. So fand letzte Woche das erste digitale Altbürger-Treff der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog statt.

Über 40 Ehemalige sind der Einladung zum virtuellen Treffen gefolgt, ein toller Erfolg! Unser Schulleiter Florian Fock begrüßte die Altbürger aus dem Konferenzraum der Spiekerooger Lietz. Es war ein besonderer Moment, da sich einige der Ehemaligen seit ihrer Schulzeit nicht mehr gesehen hatten.

Die gemeinsame Zeit wurde für den Austausch von Neuigkeiten, die an der Spiekerooger Lietz im letzten Jahr passiert sind, genutzt. Eigens für dieses erste digitale Altbürgertreffen wurde ein virtueller Rundgang über das Schulgelände erstellt. Damit sich die Teilnehmer*innen über die vielen Weiterentwicklungen rund um das Schulgebäude und -gelände einen eigenen Eindruck schaffen können. Und eine Fortsetzung des Treffens ist auch angedacht.

Wir bedanken uns für die rege Teilnahme und wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.

Zeitzeichen 25. April 2020: 60 Jahre Schule am Schloss Hagerhof

Schulstart nach den Osterferien: Vor wenigen Tagen kehrten einige Schülerinnen und Schüler nach der Corona-bedingten Schulschließung wieder in die Klassenräume von Schloss Hagerhof zurück, allerdings nur die angehenden Realschulabsolventen und Abiturienten. Die übrigen trafen sich in neuer Routine mit ihren Lehrern und Mitschülern im virtuellen Unterricht – zu Hause am Display.

Noch ungewöhnlicher war der Schulstart vor 60 Jahren: Am 25. April 1960 soll der Hagerhof zum ersten Mal seine Pforten als Internatsschule öffnen, pünktlich zum Beginn des Schuljahrs nach Ostern. Doch an der Sanierung des historischen Schlosses und der landwirtschaftlichen Gebäude des ehemaligen Gutshofs wird noch fieberhaft gearbeitet. So beginnt das Schuljahr der 28 allerersten Hagerhof-Gymnasiasten mit einer Freizeit in der Jugendherberge Linz.

Auch sonst gestaltet sich der Schulalltag am Hagerhof nicht gerade in konventioneller Weise. Gegründet wurde die Schule von einigen Elternpaaren und Robert Strunck, der zuvor als Lehrer und Schulleiter in Namibia und Afghanistan tätig war und in Deutschland bereits zwei Internate ins Leben gerufen hatte. Die Idee eines Landschulheims im Sinne des Pädagogen Hermann Lietz hat es ihm angetan. Wie dieser hält er nichts von den Drillmethoden der Wissensvermittlung in herkömmlichen Schulen. Vielmehr geht es ihm um die individuelle Persönlichkeitsentfaltung der Kinder und Jugendlichen. Sein Ziel ist keine Lehranstalt, sondern ein Lern- und Lebensort, eine zweite Heimat in natürlicher und gesunder Umgebung.

Anders als der Reformpädagoge Lietz befürwortet Strunck allerdings die Koedukation und überschreitet mit seinem neuen Internat weitere Grenzen: Jungen und Mädchen leben hier unter einem Dach – im konservativ geprägten Rheinland nahezu schockierend. Doch seine Idee zündet; ein Jahr später haben sich bereits 124 Schülerinnen und Schüler angemeldet, und die Schule platzt aus den Nähten.

Es muss gebaut werden; in Rekordzeit wird auf dem Gelände ein modernes Schulgebäude mit dem heutigen Haupthaus des Internats errichtet. Bereits im Februar 1962 feiert man die Einweihung der neuen Räume. Schulleiter Robert Strunck selbst kümmert sich um Gestaltung von Park und Garten, Internatsleiter Hagen Blankerts legt mit den Schülern einen Sportplatz an, und alle jungen Bewohner und Bewohnerinnen des Hagerhofs sind für die Pflege der Anlagen, des Teichs und Parks verantwortlich, ganz nach dem Motto des Pädagogen Hermann Lietz: ,,Tu es selbst!

In den folgenden Jahren etabliert sich das Gymnasium, insbesondere unter der Leitung von Dr. Julius Schrör (1966-1975) und Oberstudiendirektor Kurt Kinsky (1965-1966 sowie 1975-1993) in der Schullandschaft. Am 20. Juli 1967 erhalten die ersten 17 Abiturienten ihr Reifezeugnis. Gut ein Jahr später wird Schloss Hagerhof als Ersatzschule staatlich anerkannt. Die spätere Schulleiterin Dr. Gudula Meisterjahn-Knebel fasst ihren Eindruck von der damaligen Grundeinstellung zusammen: ,,Von Anfang an war es erklärtes Ziel, keinen der jungen Menschen verloren gehen zu lassen. Das bedeutete, wenn es aus welchen Gründen auch immer zu Schwankungen in der Leistung von Schülerinnen und Schülern kam, alles zu tun, um sie wieder zu einer erfolgreichen Mitarbeit in der Klasse heranzuführen.“

Es folgen Jahre des wirtschaftlichen Auf- und Abschwungs. 1992 beginnt die bisher wohl schwierigste Phase der Internatsschule Schloss Hagerhof. Die neuen Eigentümer, eine Immobiliengesellschaft aus Wiesbaden, engagiert sich zwar sehr für den Ausbau von Schule und Gymnasium und investiert große Summen in Sanierung und Möblierung, muss jedoch im Sommer 1993 Konkurs anmelden. Was nun passiert, macht bundesweit Schlagzeilen.

Unter Aufbietung aller Kräfte entwickelt der Bad Honnefer Unternehmer und Sponsor mehrerer Sportvereine Franz-Ludwig Solzbacher in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Hansjörg Tamoj und Steuerberater Johannes Peikert ein Sanierungskonzept. Mehrere Unternehmer, u. a. Gert Reinhardt, und etliche Privatleute, darunter die Mehrheit des Lehrerkollegiums und über 50 Schülereltern, bringen sich ein. So entsteht ein Schulträgerverein, der mit großem finanziellen Aufwand den drohenden Untergang der Internatsschule Schloss Hagerhof vermeiden soll. Die Summe von 8 Millionen DM steht nun bereit, um das Anwesen von einer Frankfurter Bank zu kaufen.

Doch drei Tage vor Beginn der Sommerferien 1994 platzt die Bombe. Die Frankfurter Sparkasse zieht ihre Zusage zurück und will die Immobilie Schloss Hagerhof an einen Investor verkaufen, der dort ein Reha-Zentrum betreiben möchte und bereit ist, sechs Millionen DM mehr zu zahlen. Das wäre das Aus der Schule für 350 Schüler und 26 Lehrer. Die folgenden Umstände und Aktionen fasst die damalige Schulleiterin Gisela Jagau in einer Schrift zusammen: ,,Hagerhof unkaputtbar – Chronik der heißen Tage Ende Juni 1994″.

Zunächst sind Lehrer, Eltern und Schüler geschockt nach ersten Überlegungen und Gesprächen macht sich angesichts der hoffnungslosen Lage Resignation breit. Doch die Oberstufenschüler und einige der Lehrer, insbesondere Helmut Bamberger, geben nicht auf und halten in den verbleibenden drei Schultagen ihre Wut, Empörung und Verzweiflung nicht hinterm Berg. Sie besetzen ihre Schule Tag und Nacht, locken Fernsehsender in die zum Forum umgestaltete Turnhalle und verschaffen sich in lautstarken Streiks und Demonstrationen in der Bad Honnefer Fußgängerzone Gehör: ,,Sparkasse frisst Schule“ und ,,Kinder brauchen Liebe, deshalb Hagerhof!“ steht auf ihren Plakaten. Das Unvorstellbare gelingt, die Stadt Bad Honnef stellt sich voll und ganz hinter den Hagerhof und beschließt einen Geniestreich: In der Nutzungsfestlegung des Grundstücks Hagerhof wird dauerhaft ,,Schule“ eingetragen. Damit fällt das Angebot des anderen Investors vom Tisch. Mit fünf Reisebussen fährt am 21.06.1994 eine Demonstrationskarawane nach Frankfurt. Um 16 Uhr sind die Verhandlungen abgeschlossen. Die WELT titelt in ihrer Wochenendausgabe: ,,Da kauften die Eltern ihre Schule!“

1996 beginnt mit einem neuen Leitungsteam eine Ära, deren Ergebnisse den meisten unserer Leser bereits vertraut sind. Michael Laufer, seit 1994 Biologie- und Sportlehrer sowie Internatsleiter, übernimmt die Geschäftsführung und sorgt in den nächsten schwierigen Jahren für die wirtschaftliche Sanierung des Unternehmens. Als ehemaliger Basketball-Bundesliga-Trainer versteht er es, den Hagerhof zu einem international beachteten Leistungssportzentrum auszubauen und das verantwortungsvolle Nachwuchsförderprogramm ,,Schule und Leistungssport verbinden“ für Basketball, Golf und Tennis zu konzipieren. Damit verbunden sind zahlreiche nationale Siege beim Schulwettbewerb ,,Jugend trainiert für Olympia“ und die Gründung der Basketballcamps am Schloss Hagerhof. Hier können Kinder und Jugendliche während der Schulferien mit qualifizierten Coaches aus aller Welt trainieren und ihre Idole, insbesondere NBA-Stars, live erleben. Im Juli 2020 feiern die Basketballcamps ihren 25. Geburtstag. Ebenso erfolgreich: die Musik- und Musicalschule, die das Ehepaar Gerhard Preuten und Mariana Ilgauds-Preuten für talentierte Schülerinnen und Schüler ins Leben rufen und die in diesem Jahr auf ihr 20-jähriges Bestehen, auf fantastische Konzerte und Aufführungen und die Karriere zahlreicher Absolventen zurückblicken kann.

Ebenfalls 1996 wird die hochangesehene Montessori-Pädagogin Dr. Gudula Meisterjahn-Knebel (u. a. langjährige Präsidentin von Montessori Europe) als Schulleiterin berufen. Unter ihrer Leitung entwickelt sich Schloss Hagerhof zur reformpädagogischen Modellschule und damit zu einer ,,Erfahrungsschule des sozialen Lebens“ im Sinne Maria Montessoris. ,,Hilf mir, es selbst zu tun!“ wird nun zum Leitspruch des Alltags. ,,Schwerpunkt des gesamten Konzeptes ist das Prinzip der Selbsttätigkeit, das zum Ausgangspunkt allen Lernens gemacht wird. Die Schüler/innen sollen Teamarbeit und Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen und der Natur erleben, ihre eigenen Interessen entfalten und Inhalte selber entdecken“, so heißt es im Schulkonzept, das sie mit einem motivierten Lehrer- und Erzieherteam umsetzt. Ihre Arbeit prägt den Hagerhof bis auf den heutigen Tag.

Eng verbunden mit der Montessori-Pädagogik ist die zunehmende Ausrichtung der Schule auf Bildung für nachhaltige Entwicklung. Insbesondere die Lehrer Dr. Dirk Krämer und Martin Lehnert erarbeiten mit ihren Schülerinnen und Schülern in einem aktiven Netzwerk zahlreiche dauerhaft angelegte, ökologische Projekte, wie z. B. den Amphibienschutz rund um den Schlossteich, eine Streuobstwiese mit alten Apfelsorten sowie zahlreiche Maßnahmen und Aktionen zum Klimaschutz. Ebenfalls großgeschrieben wird die Verantwortung in der Gesellschaft, die zum Beispiel durch ,,Social Services“, das ehrenamtliche Engagement der Oberstufenschüler/innen, eingeübt wird.

2018 übergab Dr. Gudula Meisterjahn-Knebel die Leitung des Gymnasiums mit einem mittlerweile angebundenen Realschulzweig an Dr. Sven Neufert. Er und Yvonne Schmidt als Nachfolgerin der langjährigen Internatsleiterin Christiane Horstmann stehen für einen Generationswechsel im Leitungsteam. Innerhalb eines Jahres setzte Dr. Sven Neufert mit seinem Kollegium die Mammutaufgabe des Digitalisierungsprozesses in Gang – nicht trotz, sondern im Einklang mit der Montessori-Pädagogik: ,,Eingebunden in ein verantwortliches, ganzheitliches Medienkonzept fördert das Lernen mit eigenem iPad und interaktiven Whiteboards das selbstbestimmte, freie, selbsttätige und individualisierte Arbeiten der Schülerinnen und Schüler.“ Aber das gehört nicht mehr zur Vergangenheit, sondern schon zur Gegenwart und Zukunft von Schloss Hagerhof.

Was sich während der wechselvollen Geschichte des Hagerhofs immer wieder gezeigt hat: die Solidarität, der Zusammenhalt von Lehrern, Erziehern, Verwaltungsmitarbeitern, Eltern und Schülern. Nicht zuletzt während der letzten Wochen, als nach der Corona-bedingten Schul- und Internatsschließung auch mit persönlichen Opfern und viel Idealismus ein alternativer Alltag gesucht und gefunden wurde, hat sich gezeigt: ,,Sie lebt – die Hagerhof-Familie!“

Autorin: Martina Rohfleisch

Auf dem Weg zum Abitur die Welt bereisen mit E-International – Lietz Internat Schloss Bieberstein

Die Alternative zur konventionellen Einführungsphase in der Gymnasialen Oberstufe: E-International bietet Unterricht per E-Learning mit außergewöhnlichen Auslandserfahrungen. Globale kulturelle, wirtschaftliche und ökologische Zusammenhänge kennenlernen inklusive attraktivem Freizeitprogramm. Für 2020/2021 wird die Reiseroute gerade geplant.

Neu sind u. a. Skandinavien und Taiwan

Robert Miebach, Coach und Projektkoordinator der E-International, erläutert die neuen Reisedestinationen Skandinavien und Taiwan: ,,Im hohen Norden ist auf den Winter noch Verlass. Die Herausforderung wird sein, sich mit der Kälte und der Dunkelheit zu arrangieren. Als Entschädigung warten dafür Nordlichter und eine weiße Wildnis, die wir mit Hundeschlitten, Schneeschuhen und Skiern sportlich erkunden werden.

Kern der Reise nach Taiwan ist dagegen der kulturelle Austausch. In der Begegnung mit Menschen über Musik, Sport und gemeinsame Schulprojekte lernen wir das Land und seine faszinierende Geschichte kennen.

Schule auf Reisen – erlebnisorientiert & praxisbezogen

Die Schülergruppe der E-International ist im ersten Schulhalbjahr der E-Phase sechs Monate in Begleitung u. a. von Coach Robert Miebach im Ausland unterwegs. Zum zweiten Halbjahr steigen die Absolventen wieder in die konventionelle E-Phase im Lietz Internat Schloss Bieberstein ein. Auslandsaufenthalte bieten außergewöhnliche Möglichkeiten für erlebnisorientiertes und praxisbezogenes Lernen im Sinne der Lietz-Pädagogik. Hier liegt der Fokus zum einen – ortsbezogen – auf der Vermittlung schulischer Kompetenzen, zum anderen ganz besonders auf der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Die Herausforderungen sind praktischer, erlebnispädagogischer und sportlicher Natur und haben dabei stets eine soziale Dimension. Das Zusammenleben in der Gruppe in immer wieder neuen Umgebungen und ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Mitbestimmung fördern Disziplin, Kreativität und Flexibilität jedes Einzelnen.

Unterricht per E-Learning

Elementarer Bestandteil des Konzepts der E-International ist die Nutzung digitaler Medien. Über eine Online-Lernplattform stehen die Fachlehrer in Kontakt zu den Schülern im Ausland, organisieren ihren Unterricht und führen Lernzielkontrollen durch. Ein innovatives Lernumfeld, welches vorhandene technische Hilfsmittel nutzt und die Medienkompetenz der Teilnehmer nachhaltig verbessert.

Neue Interessen und Fähigkeiten entwickeln

Mit der E-International unterwegs zu sein, heißt an spannenden Projekten teilzunehmen, über Grenzen zu gehen, die man vorher nicht kannte Verantwortung übernehmen und an sportlichen sowie körperlichen Herausforderungen wachsen – eben Weltbürger werden.

Reiseberichte, Fotos und Videoaufnahmen von bisherigen TeilnehmerInnen geben Einblick in ihre zahlreichen Erlebnisse und Erfahrungen:

  • ,,E-International hat mich stark geprägt und ich bin selbstbewusster geworden…Ich bin dankbar durch die E-International so viele neue Länder und Kulturen kennenlernen zu dürfen. Als Gruppe sind wir an den Aufgaben gewachsen und sie haben uns stärker gemacht und noch enger zusammen geschweißt.“
  • ,,…eine tolle Bereicherung für jeden Schüler, da man Unterricht mal ganz anders erlebt und Orte sieht, von denen man nur in Filmen gehört hat. Das größte Highlight jedoch sind die Aktivitäten und die Freizeit…“
  • ,,…Während E-International habe ich gelernt mich selbst zu strukturieren und zu organisieren.“
  • ,,…Insgesamt war E-International eine großartige Erfahrung, die mein Leben um viele neue Eindrücke bereichert hat.“

Wer kann teilnehmen?

E-International kann als Ganzjahresprogramm mit anschließendem Internatsbesuch auf Schloss Bieberstein oder als Semesterprogramm fu?r das erste Halbjahr gebucht werden.

Bewerben können sich Schüler mit Zulassung zur gymnasialen Oberstufe, wenn sie die Einführungsphase auf Schloss Bieberstein besuchen möchten oder wenn sie die Genehmigung der aktuell besuchten Schule erhalten und für die Dauer des Auslandsaufenthaltes vom Unterricht freigestellt werden.

Auf Grund von Reiseeinschränkungen in Folge der Corona-Krise können die Destinationen kurzfristig aktualisiert werden.

Zinzendorfschulen ab Montag für einige Klassen geöffnet

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen kehren Abschlussklassen sowie die 9R und ZG1 zum Präsenzunterricht zurück

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen beginnt für einen Teil der Zinzendorfschülerinnen und -schüler am Montag, 4. Mai, wieder der Präsenzunterricht. Die Abschlussklassen aller Schularten sowie die ZG 1 und die neunte Klasse der Realschule werden ab Montag in der Schule unterrichtet, alle anderen haben vorerst weiterhin digitalen Unterricht.

Um die Ansteckungsgefahr für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte und weitere Mitarbeitende der Zinzendorfschulen so gering wie möglich zu halten, hat die Schulleitung neben den üblichen Vorschriften wie Handhygiene, Husten- und Niesetikette sowie dem Abstandsgebot ein umfangreiches Maßnahmenpaket erarbeitet. So gilt beispielsweise auf dem gesamten Schulgelände und in den Gebäuden eine Maskenpflicht. Die Masken dürfen nur während des Unterrichts abgenommen werden. Um in den Klassenräumen einen Abstand von mindestens 1,50 Metern zu gewährleisten, wurden die Klassen zum Teil auf verschiedene Räume aufgeteilt, welche die Schülerinnen und Schüler auch nur nacheinander betreten dürfen. Spätestens am Ende des Unterrichts werden die Tische desinfiziert.

An den Eingängen der Schulgebäude wurden Hygienestationen aufgestellt, an denen sich alle beim Betreten die Hände desinfizieren müssen. Auch für die regelmäßige Belüftung der Räumlichkeiten, die Nutzung der Toilettenräume und der Pausenhöfe gibt es ausgefeilte Pläne, die auf der Homepage der Zinzendorfschulen unter www.zinzendorfschulen.de nachzulesen sind.

Bestens betreut und gefördert schon ab Klasse 5

Eltern wissen um die Bedeutung der ersten Jahre auf einer weiterführenden Schule. Sie möchten ihren Sohn, ihre Tochter von Anfang an individuell gestärkt und umfassend betreut wissen. Ein Internat kann dies unter bestimmten Voraussetzungen in besonderem Maße leisten. Die Steinmühle mit Schule & Internat berät interessierte Eltern online.

Kann mein Kind bereits zur Klasse 5 ein Internat besuchen? Oder zur 6. Klasse dorthin wechseln? Diese Fragen beschäftigen Eltern, die eine intensive Begleitung und Betreuung ihres Kindes suchen. ,,Das ist immer eine individuelle Entscheidung, erklärt Anke Muszynski, Internatsleiterin der Steinmühle. Sie empfiehlt deshalb eine persönliche Beratung. Wichtig sei, dass das Kind In die Überlegungen und Gespräche einbezogen wird, sich offen zeigt für Neues und bereit ist, sich schrittweise vom Elternhaus zu lösen. Darüber hinaus sollten die Werte und die allgemeine pädagogische Ausrichtung von Elternhaus und Internat zueinander passen und individuelle Wünsche berücksichtigt werden können, wie etwa besondere Hobbies, eine intensive Lernunterstützung oder altersgerechte Freizeitangebote.

Steinmühle: eine Gemeinschaft, in der sich auch die Jüngsten wohl fühlen

So bietet die Steinmühle – Schule & Internat im hessischen Marburg – beispielsweise einen eigenen Reitstall, vielfältige Sportmöglichkeiten, ein Lernbüro und Wohngruppen speziell für die jüngeren Kinder an. Idyllisch im Süden Marburgs und direkt an der Lahn gelegen, strahlt der Campus der Steinmühle Ruhe und Geborgenheit aus. Die Internatsschülerinnen und -schüler können sich hier konzentriert den unterschiedlichen naturwissenschaftlichen, sprachlichen und kulturellen Themen widmen und werden dabei individuell unterstützt. ,,Das Internat hat uns als Familie entlastet und unseren Sohn optimal gefördert“, beschreibt die Mutter eines Internatskindes ihre persönliche Erfahrung. ,,An der Steinmühle hat er Urvertrauen in sich und seine Fähigkeiten bekommen – gestärkt durch den Zuspruch der Lehrkräfte und des Internatsteams.“ Ein entscheidender Grund sei die Steinmühlen-Philosophie, die junge Menschen in ihrer Einzigartigkeit annimmt und fördert.

Kennenlernen online möglich

Eltern, die überlegen, ob der Besuch eines Internats für ihr Kind ein guter Weg sein könnte, sind herzlich eingeladen, sich mit der Internatsleiterin der Steinmühle online auszutauschen. Sie erreichen Anke Muszynski per Mail (internatsleitung@steinmuehle.de) oder telefonisch (06421 408-14) Termine sind auch am Abend möglich. Ein virtueller Rundgang kann zudem einen persönlichen Eindruck vom Campus vermitteln. Umfassende Infos zu Schule & Internat der Steinmühle gibt es unter www.steinmuehle.de.

Realschule und dann? – FOS Sozialwesen im Lietz Internat Hohenwehrda

Das Lietz Internat Hohenwehrda in Hessen unterrichtet Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse Realschule und Gymnasium und führt sie zum Abschluss der Mittleren Reife sowie der Fachhochschulreife mit Schwerpunkt Sozialwesen. Seit 09.03.2020 hat die FOS Sozialwesen offiziell die staatliche Anerkennung als Ersatzschule erhalten und darf damit nun auch die Prüfungen zum Fachabitur selbst abnehmen.

Die 5. und 6. Klasse wird in der Hermann-Lietz-Schule Hohenwehrda als Orientierungs- und Förderstufe geführt. Eine Einfädelung in die Schulzweige Realschule und Gymnasium findet zur 7. Klasse statt. Die Förderung der Kinder orientiert sich am einzelnen Kind und dessen Lernbiographie. Besonderer Wert wird auf die Durchlässigkeit innerhalb der Schulformen gelegt, der Wechsel vom Realschulzweig in den Gymnasialzweig sind ohne Schulwechsel möglich. Alternativ können Realschüler nach Abschluss der Mittleren Reife die Fachoberschule Sozialwesen besuchen.

Dieser Schulbildungsweg der Fachhochschulreife mit Schwerpunkt Sozialwesen ist darüber hinaus auch für Schülerinnen und Schüler interessant, die sich erst zur Klasse 11 für einen Wechsel ins Internat entscheiden.

Sozialwesen – ein Berufsfeld mit Zukunft

Zugangsvoraussetzungen für die Fachoberschule Sozialwesen sind: Realschulabschluss bzw. Versetzung in die gymnasiale Oberstufe, Abschluss der Zweijährigen Berufsfachschule oder eine abgeschlossene einjährige Berufsausbildung.

Durch die Möglichkeit, Prüfungen im Bereich der FOS Sozialwesen abnehmen zu dürfen, schärft das Lietz Internat Hohenwehrda weiter sein Profil und baut das Angebot der drei Schulen unter der Trägerschaft der Stiftung Deutsche Landerziehungsheime weiter aus. Somit kann in Hohenwehrda – neben dem Abschluss der mittleren Reife – ein weiterer staatlicher Abschluss abgelegt werden.

Das Fachabitur befähigt die Jugendlichen, den Bachelor-Studiengang ,,Soziale Arbeit zu absolvieren. Darüber hinaus können Schüler mit dem erreichten Abschluss der Fachoberschule jedes andere Studium an Fachhochschulen aufnehmen.

„“Mit dem Fachabitur sind Studium an Hochschulen und Universitäten sowie Promotion in verschiedenen Fächern möglich““, erklärt Helga Vogel, im Lietz Internat Hohenwehrda für die Betreuung der Fachoberschule zuständig. Sie ist überzeugt von dieser Alternative zum allgemeinbildenden Abitur: „“Ich sehe hier eine sehr gute Möglichkeit für Schüler, ein Abitur zu erlangen und dabei den Schwerpunkt auf den praktischen Teil zu legen. Alle unsere SchülerInnen zeigen sehr großes Engagement. Für Firmen werden unsere Schüler als mögliche Arbeitnehmer besonders interessant wegen des großen Praxisinhalts.““

Seit vier Jahren bietet das Lietz Internat Hohenwehrda diesen Ausbildungsgang und reagierte mit der Einführung auf den Fachkräftemangel im Bereich der sozialen Berufe.

Praxisorientierte Ergänzung & Berufsorientierung

Im Lietz Internat Hohenwehrda ergänzen Wahlpflichtfächer praxisorientiert den Unterricht. Ab der 8. Klasse bildet ein Wahlpflichtfach einen benoteten Unterrichtsschwerpunkt. Die Themenfelder sind breit gefächert: Musik & Theater, Sport, Kunst, Handwerk, Schülerunternehmen, Spanisch, Soziale und Ökologische Aktivitäten. In den Schülerunternehmen können die Jugendlichen die Arbeitswelt bereits praktisch erfahren. Sie erproben sich als Unternehmer und Dienstleister, lernen Arbeitsprozesse, Teamfähigkeit und Kreativität in verschiedenen Arbeitsbereichen realitätsnah kennen. Darüber hinaus sind die Berufspraktika eine optimale Gelegenheit, verschiedene Berufsbilder kennen zu lernen.

Chinesen leben im Internat „wie auf einer Insel“

In ganz Deutschland sind die Schulen geschlossen – und damit auch viele Internate. Aber nicht alle Schülerinnen und Schüler können nach Hause. In Königsfeld im Schwarzwald wurden die meisten Bewohner des Internats der Zinzendorfschulen zu ihren Familien geschickt – bis auf die Jugendlichen aus China, die hier zum Teil seit vier Jahren das Gymnasium besuchen.

,,Die Stimmung hier ist gut, freut sich der Internatsleiter der Zinzendorfschulen, Joachim Jünemann. Gemeinsam mit den Erziehern, den Hauswirtschafterinnen und einem Teil des Küchenteams versorgt und betreut er 17 chinesische Schülerinnen und Schüler, die im derzeit geschlossenen Internat leben. Sie können nicht nach Hause fliegen, da sie sich anderenfalls bei der Rückkehr 14 Tage lang auf eigene Kosten und selbstorganisiert in Quarantäne begeben müssten – sofern eine Einreise überhaupt möglich ist.

Also blieben sie in Königsfeld und bearbeiten – wie ihre Mitschüler auch – die Aufgaben, die ihnen ihre Lehrer online über das Programm Teams stellen. ,,Wir haben den Tagesablauf etwas gelockert“, sagt Jünemann, ,,so gibt es zum Beispiel erst um 9 Uhr Frühstück anstatt um 7 Uhr, außerdem dürfen sie in Jogginghosen frühstücken.“

Nach der Lernzeit und dem Mittagessen haben sie frei. Nach draußen gehen sie aber aus Angst vor Ansteckung kaum noch. ,,Es herrscht eine Art gegenseitiges Misstrauen hier im Ort“, bedauert der Internatsleiter. ,,Viele Königsfelder wechseln die Straßenseite, wenn sie die chinesischen Schüler sehen, dabei waren sie schon ein Vierteljahr nicht mehr zu Hause und hatten keinen persönlichen Kontakt zu Verwandten aus China.“ Ohnehin ist ihre Heimat mindestens 500 Kilometer von Wuhan entfernt und oft noch weiter, denn die meisten stammen von der Küste. Ihre Eltern machen sich Sorgen, denn im Moment ist das Infektionsrisiko in Europa deutlich größer als in Asien. ,,Im Internat leben sie wie auf einer Insel und befürchten eher, dass von den Erziehern eine Krankheit ins Internat kommen könnte.“

Dass einige trotzdem Masken tragen, hat kulturelle Gründe. ,,In China hat es Tradition, dass die Menschen versuchen, sich mit Masken zu schützen, das ist kein Zeichen von Erkrankung.“Der 18-jährige Jiaan, der seit vier Jahren im Zinzendorfinternat lebt und dieses Jahr sein Abitur macht, geht zur Zeit nicht mehr joggen, sein Mitschüler, der sich in Deutschland Wilhelm nennt ( ,,Meinen chinesischen Namen kann hier ohnehin niemand richtig aussprechen.“ ) fährt nicht mehr Rad. Trotz der Einschränkungen in dieser besonderen Zeit fühlen sie sich wohl in Königsfeld. ,,Nach dem Lernen sehe ich mir Filme an oder liege am Fenster in der Sonne. Dabei lese ich oder höre Musik“, sagt Jiaan. Wilhelm legt abends noch öfter eine Lerneinheit ein. ,,Wir bekommen zu viele Aufgaben“, klagt er und meint: ,,Eigentlich müssten die Lehrer einen Stundenplan von mir bekommen.“

Die chinesischen Schülerinnen und Schüler verbringen ihre Freizeit gemeinsam – entweder mit Gesellschaftsspielen, im internatseigenen Fitnessraum, beim Essen oder beim abendlichen gemeinsamen Kochen. ,,Sie leben im Grunde in einer WG, in einem gemeinsamen Haushalt“, sagt Joachim Jünemann, der in engem Kontakt zum Gesundheitsamt steht und darauf achtet, dass die Hygieneregeln streng befolgt werden. Außerdem machen sie sich nützlich und stellen zum Beispiel einem längst pensionierten Erzieher, der sonst täglich in der Mensa isst, sein Mittagessen vor die Tür. ,,Das machen sie richtig gerne“, konnte der Internatsleiter feststellen.

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