Kurpfalz Internat
Internat Krüger

Schlau gemacht

Bis zur Einschulung war Vivienne (alle Namen im Text sind von der Redaktion geändert) ein glückliches Kind. Gemeinsam mit ihren Eltern lebte sie im Osten Deutschlands und machte ihrer Familie viel Freude. Wissbegierig ging sie durch ihre frühe Kindheit. Niemand ahnte zu dem Zeitpunkt, dass Vivienne hochbegabt ist.

Ihr Intelligenzquotient wurde erst viel später auf 154 getestet. Zum Vergleich: Ein Durchschnitts-IQ liegt zwischen 105 und 107, Albert Einstein hatte einen IQ von 160.

,,Schon früh konnte meine Tochter bis 1000 zählen, konnte alle Farben benennen und stellte mir unzählige Fragen, erinnert sich Eva, die Mutter der heute 22-Jährigen. Da Vivienne ihr erstes Kind war, machte sie sich darüber keine Gedanken. Erst bei einer U-Untersuchung, Vivienne war zu dem Zeitpunkt etwa zweieinhalb Jahre alt, machte die Kinderärztin die junge Mutter auf die Besonderheit ihres Kindes aufmerksam. ,,Hier müssen wir besonders aufpassen, die Kleine ist viel zu weit für ihr Alter“, habe man gesagt, Eva jedoch mit dieser Information alleingelassen. ,,Aber auch da hab ich mir noch keine Sorgen gemacht“, erinnert sie sich.

Der Stress begann erst mit der Schule. Lange habe die damals Sechsjährige auf ihre Einschulung hingefiebert, doch die Freude am Unterricht hielt nicht lange an. ,,Schon nach den ersten Wochen kam meine Tochter völlig gelangweilt nach Hause“, erzählt Eva. Der Schulstoff forderte das kleine Mädchen nicht, und Aufgaben, die Eva zu Hause zusätzlich zu den erteilten Hausaufgaben aus eigenem Antrieb löste, seien in der Schule mit schlechten Bewertungen abgestraft worden.

Vivienne ist hochbegabt

,,Gespräche mit den Lehrern und der Schulleitung erwiesen sich als zwecklos. Keiner wollte sich auf unsere Tochter einlassen“, sagt die Mutter. Mitte des zweiten Schuljahres fühlte sich Vivienne bereits so schlecht, dass ein Schulwechsel die erhoffte Lösung bringen sollte. Doch auch dieser Plan ging schief, denn auch die neue Grundschule war dem Kind nicht gewachsen. ,,Von schlechtem Sozialverhalten und mangelnder Konzentration war ständig die Rede“, weiß sie noch heute. Die Sorge um ihre sonst so fröhliche Tochter trieb Eva um. Eine Freundin riet zum Intelligenztest. Und dieser brachte die Erklärung: Hochbegabt.

,,Endlich wussten wir Bescheid“, erzählt Eva weiter. Nach der Grundschule ging es für Vivienne daher auf ein Gymnasium für Hochbegabte. Die Familie hoffte auf bessere Zeiten, wurde jedoch schnell enttäuscht. ,,Die Kinder und Jugendlichen dort haben sich an der Höhe ihrer IQs gemessen“, so Eva und erzählt weiter: ,,Wir haben Viviennes Intelligenzquotienten jedoch nie an die große Glocke gehängt, daher war meine Tochter mit dem Kräftemessen an dieser Eliteschule völlig überfordert, was sich körperlich und seelisch zum Ausdruck brachte.“ Sie sei mit Magenschmerzen und Durchfall losgegangen und in einer Angststörung, unter der die junge Frau heute noch leidet, geendet.

,,Was das Schulsystem aus meiner Tochter gemacht hat, macht mich unglaublich wütend“, sagt Eva. Viele Schulwechsel, auch weit über die Landesgrenzen der Heimat hinaus, folgten. Hilfen und Unterstützung vom Jugendamt konnte die Familie nur mit Anwälten durchsetzen. ,,Es war eine Odyssee, und am Ende stand meine Tochter ohne einen Schulabschluss in Klassenstufe 9 und mit Erfüllung der Schulpflicht da“, sagt die Mutter.

Die Wendung zum Guten, an die eigentlich niemand mehr glaubte, brachte der mittlerweile jugendlichen Vivienne die Berufsberatung beim Arbeitsamt in ihrer Heimatstadt. ,,Wenden Sie sich an das Krüger-Internat in Lotte. Wenn, dann kann man nur noch dort etwas tun“, habe man Vivienne und ihrer Mutter ans Herz gelegt. Wieder eine neue Schule, ein Internat, mehr als neun Stunden mit der Bahn von zu Hause entfernt. Sollte das wirklich die Lösung sein? Und genau das war sie. ,,Meine Tochter ist in Lotte am Krüger-Internat unglaublich einfühlsam aufgenommen worden. Man hat sich auf ihre Hochbegabung und auf ihre Angststörung eingelassen und sie akzeptiert, wie sie als Mensch ist“, so Eva.

Die Wende im Internat

Eine solche Erfahrung habe die Familie während der gesamten Schullaufbahn nicht gemacht. Stets sei Vivienne zu anstrengend, zu auffällig, nicht angepasst genug gewesen. In kleinen Schritten arbeitete die zu dem Zeitpunkt schon junge Frau sich am Krüger-Internat über den Hauptschulabschluss, den erweiterten Realschulabschluss bis hin zum Fachabitur. ,,Eigentlich wollte sie im nächsten Jahr noch ihr Abitur machen, aber spontan hat sie sich nach der 12. Klasse für eine Lehrstelle im Norden Deutschlands entschieden“, erzählt Mutter Eva stolz. Ihre Tochter habe sich durch die Hilfe des Krüger-Internats wieder ins Leben gekämpft, und dafür möchte sie Danke sagen. ,,Ohne dieses Internat hätte meine Tochter es nicht in den Arbeitsmarkt geschafft, wäre vielleicht sogar für immer ein Sozialfall auf Kosten des Staates gewesen. Ich bin für diese Unterstützung so dankbar und möchte auch anderen Eltern, die Ähnliches erleben, Mut machen, sich an das Krüger-Internat zu wenden“, sagt Eva.

Beim Internatsleiter des Krüger-Internates, Jörn Litsche-Niekamp, nachgefragt, erinnert er sich gerne an Vivienne. ,,Skeptisch und voller Ängste kam die junge Frau zu uns. Anfänglich wollte sie gar nicht ins Internat. Aber schon nach kurzer Zeit konnte sie sich öffnen, hat Anschluss gefunden und sich hochgekämpft. Wir sind sehr stolz auf sie“, sagt er. Sein Internat ist darauf ausgerichtet zu helfen, wo Eltern nicht mehr weiter wissen. Klare Strukturen, Unterricht, ein gutes Team, aber auch viel Freizeitaktivitäten seien für die jungen Menschen im Internat eine Chance. ,,Wir versuchen die Probleme unserer Schüler zu verstehen und setzen uns mit ihnen auseinander, um gemeinsam gute Lösungen zu finden“, erklärt er das Leitbild.

E-International 2020/21 findet trotz Corona statt und steht in den Startlöchern!

Die Vorfreude ist bereits groß, denn E-International bietet mit dieser außergewöhnlichen Schule auf Reisen einmalige Auslandserfahrungen inklusive Vermittlung des Schulstoffs per E-Learning. Ehemalige TeilnehmerInnen sind ausnahmslos begeistert.

Andere Länder bereisen, fremde Kulturen kennenlernen, ökologische und wirtschaftliche Zusammenhänge, nicht nur theoretisch in der Schule erlernen, sondern praxisnah erleben; dazu noch ein abwechslungsreiches und attraktives Freizeitangebot. – Wer möchte das nicht? – Diese Erlebnisse sind bereichernd und prägend.

Aufgrund Covid-19 ist in diesem Jahr allerdings viel Flexibilität gefragt. Das Reisen wird etwas anders sein. Unter Berücksichtigung aller Umstände wird den Schülerinnen und Schülern dennoch ein attraktives Programm geboten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation wurden alternative interessante Reiseziele, wie z. B. Venedig und Skandinavien, aufgenommen. Sollten aufgrund von Corona neue Reiseeinschränkungen entstehen, werden die Destinationen kurzfristig angepasst.

Start der E-International 2020/2021

Ende August ist Anreise für die Teilnehmer der E-International Schuljahr 2020/21 im Lietz Internat Schloss Bieberstein. Zeit zum Kennenlernen für die Schülergruppe, Lehrer und Betreuer. Mitte September geht’s dann los. Die Reisegruppe der E-International startet zu den ersten Reisedestinationen: Österreich (Ramsau am Dachstein) und Deutschland (Weingut in Rheinhessen). Die Reisen nach Österreich/Deutschland, Italien und Schweden dauern jeweils drei Wochen. Der Unterricht wird weitestgehend morgens stattfinden, die Aktivitäten jeweils nachmittags, überwiegend im Freien bei hoffentlich mild-sonnigem Herbstwetter. In Österreich wird die Schülergruppe sehr sportlich unterwegs sein: Mit einem Kurs im Sportklettern, verschiedenen Klettersteigen und je nach Wetterlage ggf. noch anderen Sportarten, wie Mountainbiken oder Reiten. Mit einer durchschnittlichen Fitness kann jeder ohne Probleme an allen Aktivitäten teilnehmen. Beim Kletterkurs gibt es z. B. verschiedene Schwierigkeitsgrade, die persönliche Fitness wird dabei berücksichtigt.

Auf dem Weingut in Rheinhessen steht dann u. a. die Weinlese an.

Weniger sportlich, dafür eher kulturell geprägt, ist das Reiseziel Italien im Oktober mit den bekannten Metropolen Venedig, Rom und Florenz. Das nicht weniger faszinierende Skandinavien bzw. die Reisedestination Schweden / Lappland wurde neu im Programm aufgenommen. Das Hauptziel liegt hier nördlich des Polarkreises (Gegend um Kiruna). Auf dem Weg dorthin sieht der Reiseplan im Januar 2021 den Besuch einiger Städte, wie z.B. Kopenhagen, Stockholm und Göteborg vor. Darüber hinaus aber auch die Erkundung der weissen Wildnis mit Schneeschuhen, Skiern sowie bei einer Huskytour.

Eine Teilnahme an der E-International 2020/21 ist noch möglich!

Interessierte SchülerInnen können sich noch kurzfristig für eine Teilnahme bewerben. Voraussetzung ist, dass sie eine Zulassung zur gymnasialen Oberstufe haben. E-International kann als Ganzjahresprogramm mit anschließendem Internatsbesuch auf Schloss Bieberstein oder als Semesterprogramm für das erste Halbjahr gebucht werden. Somit ist die Teilnahme auch für Schülerinnen und Schüler möglich, wenn sie die Genehmigung der aktuell besuchten Schule erhalten und für die Dauer des Auslandsaufenthaltes vom Unterricht freigestellt werden.

Für den großen Sport ins Internat im Schwarzwald

Mit 14 stand er zum ersten Mal auf dem Golfplatz und konnte dem Spiel nicht wirklich etwas abgewinnen. Ein Jahr später fing Leo Bally dann richtig Feuer. ,,Mein Stiefvater hatte gemeint, ich sollte es doch noch einmal versuchen und schlug mir ein dreitägiges Golf-Camp vor. Es waren gerade Ferien, ich hatte nichts Besseres zu tun und meldete mich ohne große Erwartungen an. Heute bin ich ihm unendlich dankbar dafür.

Drei Jahre ist es her, dass er das Camp im elsässischen Club Golf de LaLargue besuchte. ,,Die haben eine tolle Jugendabteilung und ich hatte sehr viel Spaß.“ In der Gruppe waren sowohl Anfänger als auch gute Spieler und das ist es, was ihn noch immer am Golf fasziniert: ,,Durch das Handicapsystem ist es ein Sport, den Spieler aller Leistungsklassen gemeinsam ausüben können.“

Doch es kam noch mehr dazu. ,,Ein guter Schlag, eine gute Runde, ein gutes Turnier – das alles macht mich einfach glücklich“, stellte Leo fest und ergänzt: ,,Wenn man mit dem Golf anfängt, dann packt es einen oder man lässt es bleiben.“

Ihn packte es und zwar so sehr, dass er sich schon bald dazu entschied, das geliebte Tennisspiel aufzugeben. Immerhin hatte er als Fünfjähriger begonnen und innerhalb von zehn Jahren auch schon einige Erfolge erzielt.

Leo wohnt in der Nähe von Basel und sein Stiefvater fuhr ihn mindestens zwei Mal die Woche zum Golfen nach Frankreich, aber das genügte dem ehrgeizigen Sportler nicht.

Die Lösung fand er im Schwarzwald. Das Internat der Zinzendorfschulen in Königsfeld kooperiert mit der Huki-Golfschule von Helga Huber und Walter Kirchmaier und nutzt die 18-Loch-Anlage des Golfclubs Königsfeld, die offizieller Trainingsort im Olympia-Stützpunkt Stuttgart ist. Seit einem Jahr lebt Leo Bally im Internat und hat in der Zeit sein Handicap von 12 auf 4 verbessert.

Dahinter steckt viel Disziplin und hartes Training. Nach dem Unterricht steht er stundenlang an der Übungsanlage und verbessert seinen Abschlag, übt das Putten und manchmal spielt er auch eine Runde über 9 oder 18 Loch – alleine oder mit anderen Spielern. ,,Ich trainiere jeden Tag drei Stunden Golf, wovon ich zwei Mal die Woche eine Trainerstunde habe. Dazu kommen noch eine bis eineinhalb Stunden im Kraftraum des Internats oder ich laufe eine halbe Stunde durch den Wald. Insgesamt komme ich auf 20 Trainingsstunden pro Woche.“ Und an den Wochenenden kommen häufig noch Turniere dazu.

Durch den vollen Zeitplan bleibt dem Gymnasiasten natürlich weniger Zeit, mit seinen Mitschülern abends etwas zu unternehmen. ,,Wenn es etwas zu feiern gibt, kann ich mir das schon einrichten, aber ich muss es eine Woche vorher wissen. Ich achte schon darauf, meine sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten, aber spontane Unternehmungen sind leider nicht möglich.“ An den Heimreisewochenenden und auch in den Ferien spielt Leo auf dem französischen Golfplatz, manchmal bleibt er aber auch im Internat, wenn er in Königsfeld bei einem Turnier startet, etwa für die Jugendmannschaft. Auch während der Woche kann er sich von der Schule abmelden. ,,Das ist toll, wie gut das klappt“, freut er sich. Das liegt aber sicher auch daran, dass er in der Schule immer ,,ganz gut durchgekommen“ ist.

An 30 Turnieren hat er im vergangen Jahr teilgenommen, darunter auch an vielen internationalen. Sein erstes internationales Turnier spielte er im September vergangenen Jahres in Österreich, auch an den Schweizer Meisterschaften nahm er teil. Die nächsten sind in Berlin, Ulm und Spanien. ,,Mal sehen, ob das stattfindet“, sagt Leo Bally. ,,Ein Turnier in Irland, das ich eingeplant hatte, ist wegen Corona abgesagt worden.“

Die Teilnahme am Bundeswettbewerb ,,Jugend trainiert für Olympia“ ist bislang seinen größter Erfolg. ,,In der Einzelwertung bin ich auf den 11. Platz von bundesweit 50 Teilnehmern gekommen.“ Aber damit soll noch lange nicht Schluss sein, denn der junge Schweizer hat sich viel vorgenommen. Nach dem Abitur im kommenden Jahr geht er für vier Jahre in die USA. Es lagen ihm Angebote für verschiedene Colleges vor, er hat sich für ein Sportstipendium eines Colleges in der Nähe von New York entschieden.

,,Einen Vorvertrag habe ich schon unterschrieben“, freut er sich.

Sein ganz großer Traum? Als Golf-Profi in der European Tour zu spielen. ,,Aber ich habe ziemlich spät angefangen“, sagt er. ,,Daher verfolge ich neben meinen sportlichen auch die schulischen Ziele.“ Seine Interessen sind weit gefächert zwischen Naturwissenschaften, Psychologie und Wirtschaft. ,,Ich könnte mir im Moment gut vorstellen, Humanbiologie zu studieren.“

Leo Bally ist für seine sportliche Karriere von der Schweiz ans deutsche Zinzendorfinternat gegangen. Hier im Schwarzwald sind die Bedingungen ideal – neben der Schule trainiert der 18-Jährige gut 20 Stunden in der Woche.
Foto: Zinzendorfschulen

„Wenn um uns herum die Welt tobt, ist Hohenwehrda ein sicherer Ort. Hohenwehrda war euer Hafen, in dem ihr Anker setzen und zur Ruhe kommen konntet.“

Mit einer Rede, orientiert am neuen Jahresmotto ,,Anker lichten“, verabschiedete Internats- und Schulleiterin Sabine Hasenjaeger gemeinsam mit den Internatsfamilieneltern, Lehrern und Pädagogen anschließend an ein festliches Dinner in einer würdevollen Feier die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 R und 12 der Fachoberschule. Die Leiterin des Lietz Internats Hohenwehrda dankte den ,,Schülern für die Leistung und den Lehrern für die Sorge um Erfolg“.

,,Ebbe und Flut, starken Wellengang, wechselnde Winde, ruhige See, sichere Fahrt“- all dies hätten die Schüler in ihren Jahren in Hohenwehrda erlebt. Nachdem die Prüfungen zur Mittleren Reife und zum Fachabitur bestanden sind, sei es an der Zeit, die Anker zu lichten, wieder auf große Fahrt zu gehen, neue Wege und Welten zu entdecken. Mit den in Hohenwehrda erlernten Erfahrungen seien die Schülerinnen und Schüler der 10 R sowie der FOS 12 bestens vorbereitet, im Team und gemeinsam mit anderen im Boot auch schwierige Anforderungen zu bestehen.

Die Internats- und Schulleiterin griff in ihrer Abschiedsrede den Anker als Symbol für Treue und Hoffnung auf und äußerte den an die Abgänger gerichteten Wunsch: ,,Seid voller Hoffnung und macht das Unmögliche möglich. Bleibt Hohenwehrda treu und seht Hohenwehrda weiter als euren Hafen, in dem man sich vorübergehend verankern kann. Möge der Wind für euch sein.“

Text und Foto: Martin Batzel

Mit Abstand und unter freiem Himmel

Mit Abstand und unter freiem Himmel konnten die Privaten Schulen Krüger in Lotte am Freitag, d. 19. Juni, in zwei kleinen Feiern ihre Absolventen aus der Schule entlassen.

Die 31 Schüler der Höheren Handelsschule, die mit ihren Eltern und einigen Freunden auf das Gelände der Privaten Schulen Krüger und des Internats kamen, wurden von Zwölftklässlern der gymnasialen Oberstufe begrüßt, heißt es in einer Mitteilung der Schule.

Das Basketballfeld war zuvor mit Stehtischen festlich geschmückt worden, an denen die Familien Platz fanden. Auf jedem Tisch segelte in steifer Brise ein sandgefülltes Papierschiffchen. ,,Ich bin sehr dankbar, dass wir hier heuten feiern dürfen, sagte Schulleiter André Soßna in seiner Festrede. Noch vor wenigen Tagen sei dies so nicht möglich gewesen – und dabei gebe es allen Grund, zu feiern und auf diesen Jahrgang besonders stolz zu sein. Soßna betonte, unter welchen erschwerten Bedingungen alle nach drei Wochen Lockdown und zwei Wochen Osterferien noch die letzten Klausuren des Halbjahres geschrieben haben, um dann in den Abschlussklausuren zu zeigen, ob die teilweise neuen Wege der Vorbereitung gefruchtet haben. ,,Gemeinsam haben wir diese schwierige Zeit in den Griff bekommen.“

Nachdem die Fachabiturienten das Schulgelände verlassen hatten, nahmen 33 Abiturienten ihre Zeugnisse entgegen. In der Festrede ging die stellvertretende Schulleiterin Sabine Buschmeyer laut Pressemitteilung darauf ein, dass zwar viele Urlaubs- und Reiseträume der Absolventen geplatzt seien, sie sich aber nach der Schule auf eine neue große Reise ins Leben begeben würden, die sich eben dadurch auszeichne, dass vieles nicht planbar und mit Risiko verbunden sei. So seien die Abiturienten nun leider schon am Anfang ihrer Reise gezwungen, neue Ziele zu suchen, die sie aber bei genügend Risikobereitschaft und Flexibilität finden werden.

Drei Einser-Abis

Insgesamt wurden sieben Abiturzeugnisse mit einer eins vor dem Komma überreicht. Die drei Jahrgangsbesten Pia Winkelmann, Nick Abrams und Mikael Menke schlossen jeweils mit der Traumnote 1,0 ab. Unter den Fachabituren wurden die Zeugnisse von Nils Hensel, Sophie Klein und Lina König mit jeweils 1,7 besonders geehrt.

,,Doch Noten sind nicht alles“, räumte Internatsleiter Jörn Litsche-Niekamp ein. Viel wichtiger sei es, dass die Schule und für einige auch das Internat die Absolventen reisefähig gemacht hätten. Dabei griff er auf die Papierboote zurück, die als Dekoration auf den Tischen standen. ,,Erst nur ein flaches Blatt Papier, aber am Ende ein Boot, das in See stechen und neue Häfen anlaufen kann“, sagte er.

Endlich wieder Schule

Dass sie sich mal so sehr auf die Schule freuen, hätten sich die Schülerinnen und Schüler vor ein paar Monaten sicher selbst nicht vorstellen können. Nun ist es endlich soweit: Alle Klassen werden wieder vor Ort unterrichtet und zwar in der Unter- und Mittelstufe jeweils zu Hälfte im wöchentlichen Wechsel. Die anderen haben währenddessen weiterhin Online-Unterricht. ,,Bei mir sieht es in einer Klasse zum Beispiel so aus, dass die Hälfte Geometrie macht, während die anderen sich mit Prozentrechnung beschäftigen, so Mathelehrer Br. Bick.

Er ist zugleich für den Stundenplan mitverantwortlich und hatte in den vergangenen Tagen und Wochen jede Menge zusätzliche Arbeit. ,,Wir mussten die Stundenpläne ganz neu schreiben. Es gibt eine andere Taktung und auch die die Pausen wurden so gelegt, dass sich möglichst wenig Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof begegnen.“ Der Schulhof wurde in sechs Bereiche unterteilt, die den unterschiedlichen Klassen zugewiesen wurden.

Einige Schüler und Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, sind ganz vom Präsenzunterricht entbunden. Während in den Klassen 5 bis 11 im Präsenzunterricht vor allem die Hauptfächer Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und die Profilfächer unterrichtet werden, bleibt der OnlineUnterricht hauptsächlich in den Nebenfächern erhalten.

Auch wenn der Unterricht nach wie vor zeitlich eingeschränkt ist und die strengen Hygieneregeln weiterhin unter anderem Masken und Abstand gebieten, sind die Schülerinnen und Schüler froh, wieder an den Zinzendorfschulen zu sein. ,,Endlich ist ein bisschen Alltag eingekehrt und wir können unsere Freunde wieder sehen“, sagen sie unisono.

Abifeier in Corona-Zeiten

Zum Glück gilt die gesamte Biebersteiner Internatsgemeinschaft rechtlich gesehen als ein einziger Haushalt. Deshalb müssen wir untereinander auch das Abstands- und Vermummungsgebot nicht beachten. Und das bedeutete die Rettung für das Abiturfest.

Wenn schon die Eltern und Freunde nicht zum Feiern kommen durften, so doch wenigstens die Internatsgemeinde. Das gesamte Event fand deshalb in und um die festlich geschmückte Sporthalle statt. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto im Innenhof begann die Verabschiedung der diesjährigen AbiturientInnen mit dem feierlichen Einmarsch über den roten Teppich, jede/r zur eigenen Musik, und mit der Überreichung der Abitur- und Fachabiturzeugnisse durch die Schul- und Studienleitung. Der Rede des Schulleiters, Herrn Meister, der die Abiturkampagne dieses Jahres mit all ihren Überraschungen und Merkwürdigkeiten noch einmal Revue passieren ließ, folgten die Verleihungen der Preise für besondere Leistungen.

Das beste Abitur mit der Durchschnittsnote 1,3 legte Jiajie Zhu ab, die auch in den Sparten Mathematik und Chemie ausgezeichnet wurde, dicht gefolgt von Felix Tobermann und Nicolas Neugebauer. Der Kunstpreis ging an Luisa Arnold. Für sein sportliches Engagement wurde Kevin Kropf ausgezeichnet. Der wichtigste Preis unserer Schule ist der Andreesenpreis, der an SchülerInnen verliehen wird, die sich in besonderem Maße um die Internatsgemeinschaft verdient gemacht haben. Dieses Jahr wurde Victoria Streul für ihr vielfältiges und jahrelanges Engagement ausgezeichnet.

Daran schloss sich die Verabschiedung der einzelnen SchülerInnen durch ihre Familieneltern an, wobei manche Träne vergossen wurde als die Heimfamilieneltern die Werdegänge und Eigenschaften ihrer scheidenden Familienkinder während der letzten zwei bis drei Jahre noch einmal Revue passieren ließen. Es folgten die Grußworte der Jahrgangs- und Schülervertreter. Musikalisch wurde der Festakt wieder einmal von Tony Osanah abgerundet, der uns seit vielen Jahren die Treue hält und zu allen wichtigen Ereignissen aufspielt.

Danach begann das große Festessen, das unser Küchenteam um Thomas Schröter zubereitet hatte. Dies ging schließlich nahtlos in die Abschiedsfete über, die sich sowohl in der Sporthalle, wo auch getanzt wurde, rund um die umlagerte Photobox auf der Empore und auf dem Vorplatz zwischen Halle und Zollmannhaus entwickelte, wo Sitzgelegenheiten für den Aufenthalt im Freien aufgebaut worden waren. Und natürlich ging es bis tief in die Nacht.

Nach der großen Aufräumaktion am Morgen danach und der Abreise der jüngeren SchülerInnen war das Gelände wieder hergerichtet um eine würdige Abholung der AbiturientInnen durch ihre Eltern samt eines letzten, kurzen Umtrunks zu gewährleisten, diesmal natürlich unter Wahrung der Abstandsregeln. An verschiedenen Punkten des Geländes waren Pavillons aufgebaut, damit man sich treffen konnte und Mitte des Nachmittags fand im Milseburger Dreieck noch ein dezentrales Get-Together statt, bei dem sich die Eltern von der Lehrerschaft verabschieden konnten. Auch hier war wieder Tony dabei und spielte ein letztes Mal auf, diesmal begleitet von unserer Heimpatin Nina Dressen, die es sich nicht nehmen ließ, die Grüße des Altbürgervereins singend zu überbringen. So fand das Abitur auch unter Corona-Bedingungen noch einen würdigen Rahmen und ein schönes Ende.

Kurzvideo gibt Einblick in das Internatsleben in Hohenwehrda

Was ist so besonders im Lietz Internat Hohenwehrda?

In einem naturnahen Umfeld mit vielen angelegten Plätzen für Freizeit und Sport gemeinsam lernen und leben – inklusive eigenem Freischwimmbad. Das bietet die alternative weiterführende Internatsschule im Haunetal im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Das weitläufige Internatsgelände mit dem Schloss Hohenwehrda ist der ideale Ort für Kinder und Jugendliche zur Talent- und Persönlichkeitsentwicklung.

Kreativ zum Schulerfolg

Im Lietz Internat Hohenwehrda erleben Schülerinnen und Schüler nach ihrer Grundschulzeit weit mehr als Unterricht in Realschule, Gymnasium oder später in der Fachoberschule.

Sie gehen gemeinsam mit ihren Schulfreunden ihren Hobbys nach und sind darüber hinaus im Rahmen verschiedener Arbeitsgemeinschaften sowie Wahlpflichtfächer aktiv. Oft entdecken die Jugendlichen dabei verborgene Talente, die sie in unserer Internatsschule ausbauen können. Ob im musischen, kreativen, sportlichen, ökologischen oder handwerklichen Bereich – unsere Schüler werden hier individuell gemäß ihren Fähigkeiten und Stärken gefördert.

Das umfangreiche und vielfältige Freizeitangebot ergänzt nicht nur praxisorientiert den Stundenplan sondern stärkt auch den Zusammenhalt und das soziale Verhalten.

Gemeinsam lernen – und gemeinsam leben!

Jetzt Kurzvideo ansehen und Einblick in das Internatsleben in Hohenwehrda erhalten!

Schon gewusst?

Die Stiftung Stipendienfonds der Hermann-Lietz-Schulen vergibt Sozial- und Leistungsstipendien. SchülerInnen können sich somit für ein Stipendium bewerben. Weitere Informationen finden Sie unter Stipendien Lietz Internat Hohenwehrda.

Digitaler Altbürger-Treff am Lietz Internat auf Spiekeroog

Das Internat Hermann Lietz-Schule Spiekeroog veranstaltet für die ehemaligen Internatsschüler*innen, die sogenannten Altbürger – eine digitales Altbürgertreffen.

Einmal Lietzer, immer Lietzer: Ein Schulbesuch auf dem Spiekerooger Internatsgymnasium prägt fürs Leben. Weit über das Abitur hinaus steht das Inselinternat mit den ehemaligen Schüler*innen in Kontakt und Altbürgertreffen oder individuelle Besuche finden regelmäßig statt. Denn die Kraft der persönlichen Beziehung hat eine hohe Bedeutung in unserem Internatsalltag.

In der Corona-Zeit ist dies noch einmal bewusster geworden. Die Krise zwingt alle, neue Wege zu geben und so läuft auch am Lietz-Internat seit geraumer Zeit der digitale Schulbetrieb. Fast wie selbstverständlich haben Schüler*innen und Lehrer*innen von den Klassenräumen in virtuelle Konferenzräume gewechselt.

Der gelungene Schritt in das ,digitale Klassenzimmer‘ hat den Gedanken entstehen lassen, auch die Lietzer Altbürger in einem virtuellen Treffen zusammen zu bringen. So fand letzte Woche das erste digitale Altbürger-Treff der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog statt.

Über 40 Ehemalige sind der Einladung zum virtuellen Treffen gefolgt, ein toller Erfolg! Unser Schulleiter Florian Fock begrüßte die Altbürger aus dem Konferenzraum der Spiekerooger Lietz. Es war ein besonderer Moment, da sich einige der Ehemaligen seit ihrer Schulzeit nicht mehr gesehen hatten.

Die gemeinsame Zeit wurde für den Austausch von Neuigkeiten, die an der Spiekerooger Lietz im letzten Jahr passiert sind, genutzt. Eigens für dieses erste digitale Altbürgertreffen wurde ein virtueller Rundgang über das Schulgelände erstellt. Damit sich die Teilnehmer*innen über die vielen Weiterentwicklungen rund um das Schulgebäude und -gelände einen eigenen Eindruck schaffen können. Und eine Fortsetzung des Treffens ist auch angedacht.

Wir bedanken uns für die rege Teilnahme und wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.

Zeitzeichen 25. April 2020: 60 Jahre Schule am Schloss Hagerhof

Schulstart nach den Osterferien: Vor wenigen Tagen kehrten einige Schülerinnen und Schüler nach der Corona-bedingten Schulschließung wieder in die Klassenräume von Schloss Hagerhof zurück, allerdings nur die angehenden Realschulabsolventen und Abiturienten. Die übrigen trafen sich in neuer Routine mit ihren Lehrern und Mitschülern im virtuellen Unterricht – zu Hause am Display.

Noch ungewöhnlicher war der Schulstart vor 60 Jahren: Am 25. April 1960 soll der Hagerhof zum ersten Mal seine Pforten als Internatsschule öffnen, pünktlich zum Beginn des Schuljahrs nach Ostern. Doch an der Sanierung des historischen Schlosses und der landwirtschaftlichen Gebäude des ehemaligen Gutshofs wird noch fieberhaft gearbeitet. So beginnt das Schuljahr der 28 allerersten Hagerhof-Gymnasiasten mit einer Freizeit in der Jugendherberge Linz.

Auch sonst gestaltet sich der Schulalltag am Hagerhof nicht gerade in konventioneller Weise. Gegründet wurde die Schule von einigen Elternpaaren und Robert Strunck, der zuvor als Lehrer und Schulleiter in Namibia und Afghanistan tätig war und in Deutschland bereits zwei Internate ins Leben gerufen hatte. Die Idee eines Landschulheims im Sinne des Pädagogen Hermann Lietz hat es ihm angetan. Wie dieser hält er nichts von den Drillmethoden der Wissensvermittlung in herkömmlichen Schulen. Vielmehr geht es ihm um die individuelle Persönlichkeitsentfaltung der Kinder und Jugendlichen. Sein Ziel ist keine Lehranstalt, sondern ein Lern- und Lebensort, eine zweite Heimat in natürlicher und gesunder Umgebung.

Anders als der Reformpädagoge Lietz befürwortet Strunck allerdings die Koedukation und überschreitet mit seinem neuen Internat weitere Grenzen: Jungen und Mädchen leben hier unter einem Dach – im konservativ geprägten Rheinland nahezu schockierend. Doch seine Idee zündet; ein Jahr später haben sich bereits 124 Schülerinnen und Schüler angemeldet, und die Schule platzt aus den Nähten.

Es muss gebaut werden; in Rekordzeit wird auf dem Gelände ein modernes Schulgebäude mit dem heutigen Haupthaus des Internats errichtet. Bereits im Februar 1962 feiert man die Einweihung der neuen Räume. Schulleiter Robert Strunck selbst kümmert sich um Gestaltung von Park und Garten, Internatsleiter Hagen Blankerts legt mit den Schülern einen Sportplatz an, und alle jungen Bewohner und Bewohnerinnen des Hagerhofs sind für die Pflege der Anlagen, des Teichs und Parks verantwortlich, ganz nach dem Motto des Pädagogen Hermann Lietz: ,,Tu es selbst!

In den folgenden Jahren etabliert sich das Gymnasium, insbesondere unter der Leitung von Dr. Julius Schrör (1966-1975) und Oberstudiendirektor Kurt Kinsky (1965-1966 sowie 1975-1993) in der Schullandschaft. Am 20. Juli 1967 erhalten die ersten 17 Abiturienten ihr Reifezeugnis. Gut ein Jahr später wird Schloss Hagerhof als Ersatzschule staatlich anerkannt. Die spätere Schulleiterin Dr. Gudula Meisterjahn-Knebel fasst ihren Eindruck von der damaligen Grundeinstellung zusammen: ,,Von Anfang an war es erklärtes Ziel, keinen der jungen Menschen verloren gehen zu lassen. Das bedeutete, wenn es aus welchen Gründen auch immer zu Schwankungen in der Leistung von Schülerinnen und Schülern kam, alles zu tun, um sie wieder zu einer erfolgreichen Mitarbeit in der Klasse heranzuführen.“

Es folgen Jahre des wirtschaftlichen Auf- und Abschwungs. 1992 beginnt die bisher wohl schwierigste Phase der Internatsschule Schloss Hagerhof. Die neuen Eigentümer, eine Immobiliengesellschaft aus Wiesbaden, engagiert sich zwar sehr für den Ausbau von Schule und Gymnasium und investiert große Summen in Sanierung und Möblierung, muss jedoch im Sommer 1993 Konkurs anmelden. Was nun passiert, macht bundesweit Schlagzeilen.

Unter Aufbietung aller Kräfte entwickelt der Bad Honnefer Unternehmer und Sponsor mehrerer Sportvereine Franz-Ludwig Solzbacher in Zusammenarbeit mit Rechtsanwalt Hansjörg Tamoj und Steuerberater Johannes Peikert ein Sanierungskonzept. Mehrere Unternehmer, u. a. Gert Reinhardt, und etliche Privatleute, darunter die Mehrheit des Lehrerkollegiums und über 50 Schülereltern, bringen sich ein. So entsteht ein Schulträgerverein, der mit großem finanziellen Aufwand den drohenden Untergang der Internatsschule Schloss Hagerhof vermeiden soll. Die Summe von 8 Millionen DM steht nun bereit, um das Anwesen von einer Frankfurter Bank zu kaufen.

Doch drei Tage vor Beginn der Sommerferien 1994 platzt die Bombe. Die Frankfurter Sparkasse zieht ihre Zusage zurück und will die Immobilie Schloss Hagerhof an einen Investor verkaufen, der dort ein Reha-Zentrum betreiben möchte und bereit ist, sechs Millionen DM mehr zu zahlen. Das wäre das Aus der Schule für 350 Schüler und 26 Lehrer. Die folgenden Umstände und Aktionen fasst die damalige Schulleiterin Gisela Jagau in einer Schrift zusammen: ,,Hagerhof unkaputtbar – Chronik der heißen Tage Ende Juni 1994″.

Zunächst sind Lehrer, Eltern und Schüler geschockt nach ersten Überlegungen und Gesprächen macht sich angesichts der hoffnungslosen Lage Resignation breit. Doch die Oberstufenschüler und einige der Lehrer, insbesondere Helmut Bamberger, geben nicht auf und halten in den verbleibenden drei Schultagen ihre Wut, Empörung und Verzweiflung nicht hinterm Berg. Sie besetzen ihre Schule Tag und Nacht, locken Fernsehsender in die zum Forum umgestaltete Turnhalle und verschaffen sich in lautstarken Streiks und Demonstrationen in der Bad Honnefer Fußgängerzone Gehör: ,,Sparkasse frisst Schule“ und ,,Kinder brauchen Liebe, deshalb Hagerhof!“ steht auf ihren Plakaten. Das Unvorstellbare gelingt, die Stadt Bad Honnef stellt sich voll und ganz hinter den Hagerhof und beschließt einen Geniestreich: In der Nutzungsfestlegung des Grundstücks Hagerhof wird dauerhaft ,,Schule“ eingetragen. Damit fällt das Angebot des anderen Investors vom Tisch. Mit fünf Reisebussen fährt am 21.06.1994 eine Demonstrationskarawane nach Frankfurt. Um 16 Uhr sind die Verhandlungen abgeschlossen. Die WELT titelt in ihrer Wochenendausgabe: ,,Da kauften die Eltern ihre Schule!“

1996 beginnt mit einem neuen Leitungsteam eine Ära, deren Ergebnisse den meisten unserer Leser bereits vertraut sind. Michael Laufer, seit 1994 Biologie- und Sportlehrer sowie Internatsleiter, übernimmt die Geschäftsführung und sorgt in den nächsten schwierigen Jahren für die wirtschaftliche Sanierung des Unternehmens. Als ehemaliger Basketball-Bundesliga-Trainer versteht er es, den Hagerhof zu einem international beachteten Leistungssportzentrum auszubauen und das verantwortungsvolle Nachwuchsförderprogramm ,,Schule und Leistungssport verbinden“ für Basketball, Golf und Tennis zu konzipieren. Damit verbunden sind zahlreiche nationale Siege beim Schulwettbewerb ,,Jugend trainiert für Olympia“ und die Gründung der Basketballcamps am Schloss Hagerhof. Hier können Kinder und Jugendliche während der Schulferien mit qualifizierten Coaches aus aller Welt trainieren und ihre Idole, insbesondere NBA-Stars, live erleben. Im Juli 2020 feiern die Basketballcamps ihren 25. Geburtstag. Ebenso erfolgreich: die Musik- und Musicalschule, die das Ehepaar Gerhard Preuten und Mariana Ilgauds-Preuten für talentierte Schülerinnen und Schüler ins Leben rufen und die in diesem Jahr auf ihr 20-jähriges Bestehen, auf fantastische Konzerte und Aufführungen und die Karriere zahlreicher Absolventen zurückblicken kann.

Ebenfalls 1996 wird die hochangesehene Montessori-Pädagogin Dr. Gudula Meisterjahn-Knebel (u. a. langjährige Präsidentin von Montessori Europe) als Schulleiterin berufen. Unter ihrer Leitung entwickelt sich Schloss Hagerhof zur reformpädagogischen Modellschule und damit zu einer ,,Erfahrungsschule des sozialen Lebens“ im Sinne Maria Montessoris. ,,Hilf mir, es selbst zu tun!“ wird nun zum Leitspruch des Alltags. ,,Schwerpunkt des gesamten Konzeptes ist das Prinzip der Selbsttätigkeit, das zum Ausgangspunkt allen Lernens gemacht wird. Die Schüler/innen sollen Teamarbeit und Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen und der Natur erleben, ihre eigenen Interessen entfalten und Inhalte selber entdecken“, so heißt es im Schulkonzept, das sie mit einem motivierten Lehrer- und Erzieherteam umsetzt. Ihre Arbeit prägt den Hagerhof bis auf den heutigen Tag.

Eng verbunden mit der Montessori-Pädagogik ist die zunehmende Ausrichtung der Schule auf Bildung für nachhaltige Entwicklung. Insbesondere die Lehrer Dr. Dirk Krämer und Martin Lehnert erarbeiten mit ihren Schülerinnen und Schülern in einem aktiven Netzwerk zahlreiche dauerhaft angelegte, ökologische Projekte, wie z. B. den Amphibienschutz rund um den Schlossteich, eine Streuobstwiese mit alten Apfelsorten sowie zahlreiche Maßnahmen und Aktionen zum Klimaschutz. Ebenfalls großgeschrieben wird die Verantwortung in der Gesellschaft, die zum Beispiel durch ,,Social Services“, das ehrenamtliche Engagement der Oberstufenschüler/innen, eingeübt wird.

2018 übergab Dr. Gudula Meisterjahn-Knebel die Leitung des Gymnasiums mit einem mittlerweile angebundenen Realschulzweig an Dr. Sven Neufert. Er und Yvonne Schmidt als Nachfolgerin der langjährigen Internatsleiterin Christiane Horstmann stehen für einen Generationswechsel im Leitungsteam. Innerhalb eines Jahres setzte Dr. Sven Neufert mit seinem Kollegium die Mammutaufgabe des Digitalisierungsprozesses in Gang – nicht trotz, sondern im Einklang mit der Montessori-Pädagogik: ,,Eingebunden in ein verantwortliches, ganzheitliches Medienkonzept fördert das Lernen mit eigenem iPad und interaktiven Whiteboards das selbstbestimmte, freie, selbsttätige und individualisierte Arbeiten der Schülerinnen und Schüler.“ Aber das gehört nicht mehr zur Vergangenheit, sondern schon zur Gegenwart und Zukunft von Schloss Hagerhof.

Was sich während der wechselvollen Geschichte des Hagerhofs immer wieder gezeigt hat: die Solidarität, der Zusammenhalt von Lehrern, Erziehern, Verwaltungsmitarbeitern, Eltern und Schülern. Nicht zuletzt während der letzten Wochen, als nach der Corona-bedingten Schul- und Internatsschließung auch mit persönlichen Opfern und viel Idealismus ein alternativer Alltag gesucht und gefunden wurde, hat sich gezeigt: ,,Sie lebt – die Hagerhof-Familie!“

Autorin: Martina Rohfleisch

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