Lietz Internat Schloss Bieberstein startet die Gilde „Soziales“

Für das Lietz Internat Schloss Bieberstein bietet das benachbarte, auf dem Hofberg in Hofbieber gelegene Pflegezentrum die ideale Plattform für die praktische Arbeit der Gilde Soziales. Schülerinnen und Schüler besuchen die Einrichtung regelmäßig einmal in der Woche, um mehr über die Bewohner und Bewohnerinnen zu erfahren, Zeit mit ihnen zu verbringen, gemeinsam Spiele zu spielen, Spaziergänge zu machen oder sich einfach nur zu unterhalten.

,,Für uns ist dieses generationenübergreifende Projekt ideal, erklärt Einrichtungsleiterin Kristin Heger. ,,Unsere Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich über die Abwechslung und das Zusammensein mit den jungen Menschen – so wird die oftmals bestehende Kluft zwischen Alt und Jung verringert und Berührungsängste werden abgebaut.“

Die zahlreichen Wahlpflichtangebote, die so genannten Gilden des Hermann Lietz Internats Schloss Bieberstein, werden seit diesem Jahr um soziale Aktivitäten ergänzt. Marta Rubio Rueda, Spanischlehrerin im Internat, hat sich dieses Projektes angenommen und freut sich über die gute Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe.

,,Wir möchten den Jugendlichen ein attraktives und wachsendes Angebot an Aktivitäten bieten, die einen angenehmen Ausgleich zum Unterricht darstellen und an ihre Interessen angepasst sind“, so Rubio Rueda. ,,Soziale Themen sind heute mehr denn je in aller Munde und wir freuen uns, dass das soziale Bewusstsein und der Wunsch, in der Freizeit etwas Sinnstiftendes zu tun, auch bei unseren Schülerinnen und Schülern stetig wächst.“

Im Februar fand im Rahmen dieser Kooperation zudem die erste gemeinsame soziale Projektwoche statt. Diese war auch für Schülerinnen und Schüler außerhalb der Gilde Soziales offen und erfreute sich einer sehr guten Resonanz und regen Teilnahme. Begleitet wurde sie von Amelie Bode, Studierende der Hochschule Fulda im Studiengang Soziale Arbeit, die gerade ihr Praxissemester am Lietz Internat Schloss Bieberstein absolviert. Neben einem Kunsttag, an dem mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Bilder mit unterschiedlichen Mal- und Farbtechniken erstellt wurden, war der gemeinsame Ausflug mit Schlossführung auf Schloss Bieberstein ein weiterer Höhepunkt.

Das nurona Pflegezentrum Hofbieber und das Lietz Internat Schloss Bieberstein freuen sich auf die Fortführung und den Ausbau der Zusammenarbeit sowie auf weitere gemeinsame Projekte.

„Nicht nur dicke Bücher können Wissen vermitteln!“

Die Art, wie wir lehren und lernen, steht an einem Wendepunkt, wie wir ihn seit eintausend Jahren nicht erlebt haben“, so Jung. Deutschlands bekanntester Mathe-YouTuber, dessen mehr als 2.200 Videos bereits über 200 Millionen angeklickt wurden, sieht in virtuellen Angeboten eine gute Ergänzung zum klassischen Unterricht. Am 13. Februar machte Jung in seinem Vortrag an der ,,Steinmühle – Schule und Internat in Marburg“ Mut zu neuen Lernformen. Die haben an der Steinmühle bereits Einzug gehalten.

,,Bei namhaften Firmen bin ich regelmäßig als Redner zu Gast, von einer Schule bin ich aber noch nie eingeladen worden.“ Diese Äußerung von Deutschlands bekanntestem Mathe-YouTuber Daniel Jung in einem Magazin animierte Schulleiter Björn Gemmer, den „Mathe-Rockstar“ für einen Vortrag an die Steinmühle zu holen. Am 13. Februar füllte Jung die Zuschauerreihen des Steinmühlen-Forums.

Daniel Jungs Leidenschaft ist die Mathematik. Beiträge über Stochastik, lineare Gleichungssysteme und andere mathematische Aufgabenstellungen hat der 1981 in Remscheid geborene Jung, der Mathe und Sport studierte, sich dann aber gegen die klassische Lehrerlaufbahn entschied, in über 2.200 Erklärvideos zusammengefasst. Sie sind jeweils nur wenige Minuten lang und der Renner auf YouTube. Über 200 Millionen Mal wurden sie bereits angeklickt. Dass sie gut ankommen, zeigen Kommentare wie: ,,Du hast mir im Abi den A…. gerettet.“

Lehren und Lernen ändert sich

Dabei sieht sich Jung, der unter anderem auch die Plattform mathefragen.de bespielt und die Daniel Jung Academy gründete, nicht als Konkurrenz zur Schule, sondern als Ergänzung: Es brauche das schulische Kolloquium, „aber der Mensch ist nicht für 45 Minuten Druckbetankung gemacht.“ Ein Einzellehrer könne erwiesenermaßen mehr erreichen als Unterricht in der Gruppe. Und sein Stoff sei von überall aus jederzeit abrufbar.

Daniel Jungs Anliegen ist, „new learning“ zu entschlüsseln, einen Generationenkonflikt aufzubrechen und klarzumachen: „Nicht nur dicke Bücher können Wissen vermitteln, sondern auch das Internet.“ Und: „Die Art, wie wir lehren und lernen, steht an einem Wendepunkt, wie wir ihn seit eintausend Jahren nicht erlebt haben.“ Daran änderten auch Statements der Andersdenkenden nichts, die Lernvideos verteufelten. „Wir sollten junge Menschen dort abholen, wo sie sich sowieso aufhalten, nämlich im Internet“, so der Referent.

Das Steinmühlenkonzept: ein digitaler Trainingsplan für alle

Jungs Aussagen fanden große Zustimmung an der Steinmühle, die Digitalisierung ganzheitlich betrachtet: ,,Eine funktionierende und nachhaltige digitale Schule setzt eine moderne Ausstattung voraus und erfordert Konzepte, die Lehrkräfte und Schüler:innen gleichermaßen begeistert, fördert und fordert“, so die Überzeugung von Schule und Internat. Tragende Säulen an der Steinmühle sind deshalb Lehrerfortbildung, Medienkompetenz (mit den vier Dimensionen Mediennutzung, Medienkunde, Medienkritik und Mediengestaltung), Tablet-Klassen in Jahrgangsstufe 7 und die Erweiterung der Wahlunterrichte in den Fachgebieten Informatik und Technik, bei denen digitales Lernen und analytisches und logisches Denken gleichermaßen gefördert werden. Einen wichtigen Grundstein für die Digitalisierung hatte die Steinmühle bereits vor 15 Jahren in Form eines leistungsstarken und modernen Glasfaseranschlusses gelegt.

Text: Angela Heinemann
Bilder: Rainer Waldinger

Ansprechpartnerin Öffentlichkeitsarbeit: Julia Heins / heins@steinmuehle.de / 06421 – 4080

,Jedes Kind hat das Recht auf eine glückliche Schulzeit

,,Lernen macht glücklich behauptet die Akademie für Lernpädagogik und liefert in dem gleichnamigen Vortrag auch gleich den Beweis dafür. Der Leiter des Kölner Instituts und ehemalige Gymnasiallehrer Jürgen Möller war zu Gast an den Zinzendorfschulen und erklärte rund 140 Müttern und Vätern in unterhaltsamen zwei Stunden, wie sie ihren Kindern zu diesem Glück verhelfen können.

,,Jeder Mensch will lernen“, sagt Möller, das fange schon beim Laufen lernen an. Kinder übten es so lange, bis sie nicht mehr hinfallen. Auch bei der Einschulung freuten sich die Sechsjährigen darauf, Lesen und Schreiben zu lernen. Irgendwann käme diese Freude aber abhanden. Während zu Beginn ihrer Schulzeit noch 80 Prozent der Kinder Spaß am Lernen hätten, seien es unter den 13-Jährigen nur noch sechs Prozent. Die Folge: Der Haussegen hängt schief und Streit um die Hausaufgaben und ums Lernen beherrscht oftmals das Familienleben.

Möller ging auf verschiedene Lerntypen ein, die er ,,Cheflogiker“, ,,Sicherheitsbeauftragter“, ,,Feinfühler“ und ,,Schöngeist“ nennt. Eltern sollten wissen, zu welchem Lerntypus ihr Kind gehört, damit sie besser auf sie eingehen können.

Auch in der Kommunikation lauerten einige Fallstricke, die dem Familienfrieden nicht unbedingt förderlich seien. ,,Wer seinem Sohn oder seiner Tochter am Abend vor der Mathearbeit sagt: ´Du brauchst keine Angst zu haben´ bewirkt damit genau das Gegenteil“, erklärte Möller. Stattdessen sei es viel beruhigender zu sagen: ,,Es wird gut gehen, denn du hast dich gut vorbereitet.“

Lob sei die beste Art, die Motivation zu fördern. ,,Druck funktioniert nur in den seltensten Fällen“, sagte Möller und Belohnung würde auch verpuffen, wenn sie jedes Mal bei einer guten Note erfolge.

Immer wieder bezog Jürgen Möller sein Publikum mit ein, stellte Fragen und Aufgaben, die seine Thesen untermauerten. So sollten die Zuhörer beispielsweise eine einfache Rechenaufgabe lösen, die jedoch aufgrund ihrer Formulierung von rund 90 Prozent der Erwachsenen falsch beantwortet wird – auch in Königsfeld. Mit einem anderen Beispiel zeigte er, wie wichtig es ist, zu strukturieren. Die Zuhörer sollten in einer Art Wimmelbild die Zahlen von Eins bis 20 suchen. Es dauerte beim ersten Mal viel länger als im zweiten Durchgang, in dem ein Raster über das Bild gelegt war, mithilfe dessen klar wurde, dass sich jede der gesuchten Zahlen in einem anderen Quadrat befindet – und auch noch in der richtigen Reihenfolge.

Die Eltern bekamen konkrete Tipps mit auf den Weg – so sollen sie beispielsweise darauf achten, dass ihre Kinder regelmäßige Pausen machten. Eine Faustregel für die Konzentrationsspanne sei ,,Alter mal zwei in Minuten“. Auch sei es wichtig, dass Kinder nach den Hausaufgaben nicht gleich fernsehen oder vor dem Computer sitzen. ,,Sie sollten erst Sport mache, etwas essen oder lesen“, so der Fachmann. Auf diese Weise bleibe das Gelernte viel besser im Gedächtnis. Er bot den Besuchern noch an, gemeinsam mit ihren Kindern kostenlos an einem Webinar teilzunehmen. Ein Angebot, für das sich viele Besucher interessierten, denn offensichtlich teilen sie die Meinung Jürgen Möllers: ,,Jedes Kind hat das Recht auf eine glückliche Schulzeit.“

Schulberatungstag am 22. Februar 2020 im Lietz Internatsdorf Haubinda

Besuchen Sie am 22. Februar 2020 von 13:00 – 17:00 Uhr zum Schulberatungstag das Lietz Internatsdorf Haubinda und informieren Sie sich über die verschiedenen Schulformen der Klassen 1 – 13.

Lernen Sie das Internatsdorf näher kennen und tauchen Sie einmal in den Schul- u. Internatsalltag ein.
Sichern Sie sich noch die letzten freien Termine für ein Beratungsgespräch mit der Lehrerschaft und erhalten Sie Infos aus erster Hand zu den unterschiedlichen schulischen Möglichkeiten im Lietz Internatsdorf Haubinda.

Lassen Sie sich von den Oberstufenschülern vorstellen, wie man in Haubinda die Fachhochschulreife oder das Abitur erreichen kann.

Weiterhin präsentieren die Schülerinnen und Schüler eine Vielzahl an Gilden und stellen Ihnen dabei die unterschiedlichen Freizeitmöglichkeiten außerhalb der Schulzeiten vor. Von interessanten Kunstarbeiten, Teddybären stopfen, Faschingsmasken basteln, dem Imker über die Schultern schauen oder die jungen Lämmer streicheln, bis hin zu Drechselarbeiten – lernen Sie die Vielfalt der Freizeitaktivitäten einmal hautnah kennen.

Natürlich hat auch der Dorfladen mit seinem Sortiment an selbst hergestellten Erzeugnissen geöffnet und freut sich auf Ihren Besuch.

Verpassen Sie auch nicht die Gelegenheit, sich zwischen 13:00 – 16:40 Uhr von Schülerinnen und Schülern das weitläufige Schul- und Internatsgelände in einem ausführlichen Rundgang vorstellen zu lassen.

Und sollten Sie zwischenzeitlich einmal eine Pause benötigen, können Sie sich im Lietz-Café oder der Mensa mit einer Tasse Kaffee und selbstgebackenen Kuchen stärken.

Das Lietz Internatsdorf Haubinda heißt Sie jetzt schon recht herzlich willkommen!

Robotik im Unterricht – mit Ozobots digital lernen im Lietz Internat Schloss Bieberstein

Die 10. Klasse Gymnasium mit dem Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften bereitet Schülerinnen und Schüler optimal auf die Gymnasiale Oberstufe im Lietz Internat Schloss Bieberstein vor. Zu Beginn des Schuljahres 2019/20 wurde das Schulfach Robotics in der 10G eingeführt. Ermöglicht wurde dies durch den Verein Altbürger und Freunde der Hermann-Lietz-Schulen e.V., der sechs Ozobot Evo und sieben Ozobot Bit finanzierte. Ein weiterer Baustein im Bereich Digitales Lernen für das Lietz Internat Schloss Bieberstein.

Was sind Ozobots?
Der Ozobot BIT ist ein 3 cm großer Roboter mit zwei Rädern, der mittels selber gezeichneter farbiger Linien auf Papier oder mittels Tablet programmiert werden kann. Die optischen Sensoren auf der Unterseite des Roboters lesen diese Codes. Damit wird die Bewegung des Roboters gesteuert. Der Ozobot EVO Roboter hat zusätzlich eine Audioausgabe, einen Näherungssensor und LED-Lichter, die programmiert werden können. Die Ozobots blinken und machen Töne, wenn man sie einschaltet.

Was kann man mit diesen Mini-Robotern machen?
Zunächst haben die Schülerinnen und Schüler im Lietz Internat Schloss Bieberstein einfach Linien auf Papier gezeichnet und die unterschiedlichen Farbcodes ausprobiert. Hier sind Kreativität und Fingerspitzengefühl gefragt. So sammelten sie erste Erfahrungen, was ein Ozobot kann. Grundsätzlich fährt der Ozobot Roboter entlang der schwarzen Grundlinie und stoppt, sobald diese Linie endet. Bei Kreuzungen wählt er den Weg in eine zufällige Richtung. Zeichnet man vor die Kreuzung z. B. blau-rot-grün, so biegt er rechts ab. Insgesamt stehen 29 derartige Codes zur Verfügung. Die Jugendlichen verbrachten die ersten Schulstunden damit, diese auszuprobieren und richtig einzusetzen. Jetzt lösen sie bereits komplexere Aufgaben per iPAD mit der Webanwendung ozoblockly.com. Die Übertragung eines Programms auf den Ozobot erfolgt kabellos direkt über den Bildschirm des iPAD durch Lichtsignale. Ozoblockly bietet eine eigens für den Ozobot entwickelte grafische Programmiersprache, die das Programmieren ansprechender und zugänglicher macht. Man kann einfach loslegen und später auch komplexere Projekte erstellen.

Grundkenntnisse in der Programmierung
Die Schülerinnen und Schüler der 10G auf Schloss Bieberstein lernen mit diesen Robotern grundlegende Programmierkonzepte und -strukturen kennen sowie wichtige Elemente, wie z. B. Bedingungen, Schleifen, Variablen und Prozesse. Zur Zeit üben sie mit dieser Plattform umzugehen, Programme zu erstellen und diese zu übertragen. Das selbständige Erforschen und Ausprobieren führt zu einer sehr hohen Motivation bei den Schülern.

Digitales Verständnis und der Umgang mit neuen Medien sind Zukunftskompetenzen
Digitale Anwendungen sind heute für uns allgegenwärtig, im Berufsleben als auch im Privatbereich. Um die digitalen Medien fachkundig, selbstbestimmt und verantwortungsvoll nutzen zu können, sind digitale Kompetenzen unabdingbar.

Alle Lietz-Internate in Hessen sowie Thüringen verbinden moderne digitale Lernformen mit ihren bewährten Lernmethoden nach Dr. Hermann Lietz. In den Klassen nutzen Schülerinnen und Schüler beispielsweise iPads im Unterricht, die Lehrkräfte digitale Tafeln (interaktive Whiteboards). Die Digitalisierung bietet heute auch in der Schule vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Bei der E-International – der alternativen E-Phase im Lietz Internat Schloss Bieberstein – wird der Unterrichtsstoff gemäß Lehrplan während der 6-monatigen Auslandsreise per E-Learning vermittelt. Die digitalen Medien werden auch auf Schloss Bieberstein i. R. des Bildungskonzeptes der Lietz-Internate fachkompetent für eine bestmögliche und individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Nach Verlassen der Hermann-Lietz-Schulen fühlen sie sich damit dann nicht nur in der digitalen Welt zu Hause.

Fachtag von Schloss Varenholz und den Einrichtungen der Fachinstitute Blauschek zum Thema „Systemsprenger“

Am 06.12.2019 veranstalteten die Fachinstitute Blauschek im Kinocenter Rinteln einen Fachtag zum Thema ,,Umgang mit Systemsprengern in bestehenden Hilfesystemen, an dem neben den pädagogischen Fachkräften aus den Jugendhilfeeinrichtungen und Privatschulen der Fachinstitute Blauschek auch zahlreiche Fachkräfte und Entscheider aus dem Bereich Erziehung und Bildung teilnahmen.

Als ,,Systemsprenger“ gelten Kinder und Jugendliche, bei denen aufgrund von schweren Traumatisierungen, gewaltförmigen oder verfestigten selbst- und fremdverletzenden Verhaltensmustern, Drogen- und Suchtabhängigkeit, massiv schuldistanziertem und schulaversivem Verhalten oder gar ,,Entkoppelung alle Maßnahmen der Jugendhilfe scheitern. Pädagoginnen und Pädagogen werden dabei immer wieder damit konfrontiert, dass diese High-Risk-Klientel offenbar durch Unterstützungsangebote nicht erreichbar erscheinen und aufgrund ihrer nicht selten massiv provozierenden und grenzverletzenden Handlungen durch die einzelnen Systeme ,,hindurchgereicht“ werden, bis sie letztlich in einer Pendelbewegung zwischen Jugendhilfe, Straßenszene, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugend-Justizvollzugsanstalt hängen bleiben und vor den Augen des Hilfesystems zu ,,hoffnungslosen Fällen“ erklärt werden.

Wie aber kann eine individuelle Passung zwischen den Bedarfen dieser Zielgruppe und den pädagogischen Angeboten hergestellt werden? Können klare Grenzen, Präsenz, Beziehung und Stärke eine erfolgversprechende Perspektive sein? Im Rahmen einer Kinovorstellung hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Fachtag zunächst die Gelegenheit, sich den vielfach prämierten deutschen Spielfilm ,,Systemsprenger“ anzuschauen. Das Drama stellt ein 9-jähriges Mädchen in den Mittelpunkt, das als titelgebender Systemsprenger einen Leidensweg zwischen wechselnden Pflegefamilien, Wohngruppe und Sonderschule durchläuft. Anschließend erläuterte Tijs Bolz in seinem Vortrag zum Thema: ,,Systemsprenger in Schule und Jugendhilfe“ u.a., welche Faktoren dazu beitragen, dass aus ,,Kindern in Schwierigkeiten schwierige Kinder werden“ und wie konzeptionelle bzw. personenbezogene Interventionsmaßnahmen bzw. Settings gestaltet sein sollten, um wirksam und effektiv helfen zu können. Tijs Bolz ist Sonderpädagoge und arbeitet am Lehrstuhl ,,Pädagogik bei Verhaltensstörungen/ Emotionale und Soziale Entwicklung“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Abgeschlossen wurde der Fachtag durch eine ausgiebige Diskussionsrunde, in der Tijs Bolz konkrete Fragen aus dem Auditorium beantwortete und auch den anwesenden Lehrkräften pädagogische Ansätze und Unterstützungsmaßnahmen im Hinblick auf eigentlich ,,unbeschulbare“ Kinder und Jugendliche an die Hand gab.

Weihnachtsmarkt im Lietz Internatsdorf Haubinda

Im Jahre 1434 wurde in Dresden erstmals der Striezelmarkt eröffnet und im November 2019 zum 585-mal. Er gilt als Vorläufer des Weihnachtsmarktes, ist wohl der älteste seiner Art. Tradition und großen Zuspruch hat auch der Weihnachtsmarkt im Lietz Internatsdorf Haubinda, der am 07. Dezember 2019 wieder über 1000 Besucher anlockte und seinesgleichen nur schwer zu finden ist.

Glühwein, Bratwurst und Weihnachtslieder, eingebettet in Holzbuden mit Tannengrün und vielen Lichterkerzen sind die Grundlagen einer weihnachtlichen Veranstaltung und ist inzwischen auch ein deutscher Exportschlager. So gibt es in Chicago (USA) den Nürnberger Christkindlesmarkt seit 1996 und in Sapporo (Japan) den Münchner Weihnachtsmarkt seit 2002. Der Weihnachtsmarkt in Haubinda hat indes weit mehr zu bieten: Hier sind Kinder und Jugendliche mit Herz und Hand gemeinsam mit ihren Lehrern und den Mitarbeiter des Internatsdorfes bereits Wochen zuvor am planen, basteln, proben und organisieren.

Und dabei geht es nicht in erster Linie um den Verkauf – sondern es soll ein stimmungsvolles und friedliches Fest von und mit den Schülern für die Besucher sein. Ein Höhepunkt ist dabei die Theatervorstellung der Grundschule wo die kleinen Talente professionell ihr Publikum mit Musik und Performance in malerischer Kulisse begeistern. Ein weiterer Glanzpunkt und zugleich Abschluss bildet der Chor der Klassen 5 und 6 unter der engagierten Leitung von Margarete Bernhardt, die auch diesmal ein Werk mit eigenen Texten und Musikkompositionen mit den Kindern und einigen Eltern perfekt einstudiert hatte.

Dass das Konzept ankommt und es vielen fleißigen Helfern jedes Jahr gelingt eine stimmungsvolle Atmosphäre zu zaubern, beweist der ungebrochene Zuspruch der Gäste. Alle Jahre wieder beschreibt das altbekannte deutsche Weihnachtslied treffend die Tatsache, dass sich viele ehemalige Schüler und Schülerinnen regelmäßig auch nach vielen Jahren noch ein Stelldichein geben und auf ein Wiedersehen freuen. Internats- und Schulleiter Burkhard Werner konnte sich an diesem Tag beruhigt im Hintergrund halten, schlenderte zufrieden über den Markt, schüttelte Hände, klopfte auf Schultern, lobte die fleißigen Helfer, traf ehemalige Schüler und Honoratioren.

Organisationskünstler Detlev Notzke hatte im Zusammenhang mit dem technischen Leiter Manuel Both und seinem Team bereits seit Tagen für die technischen Rahmenbedingungen gesorgt. Das Haubindaner Backhaus war ebenfalls rechtzeitig angefeuert worden und rund dreihundert Brote fanden reißenden Absatz. Gleiches galt für die Pizza und den Dresdner Stollen, der ebenfalls aus der Haubindaner Produktion von Schülern stammte.

Hunger dürfte indes bei keinem Besucher aufgekommen sein. Neben Stockbrot vom offenen Feuer, Waffeln, Crepe, Schmalzbroten und Spießbraten gab es allerlei Naschwerk. Für den Durst hatten die Besucher die Auswahl zwischen Kaffee, Tee, Glühwein, Punsch, Cocktails, Softdrinks, Punsch und Kakao. Weitere Einkaufsmöglichkeiten gab es im Dorfladen des Internatsdorfs sowie an den zahlreichen Weihnachstbuden, wo die Schüler Weihnachtsartikel und selbstgebastelte Dekomaterialien und Geschenkartikeln anboten.

Zwischendurch bestand die Möglichkeit sich eine kleine Weihnachtsgeschichte von einem Schüler vorlesen zu lassen oder gar selbst in einer Spielecke seine Fertigkeiten zu beweisen.

Und noch ein Umstand hat Tradition beim Weihnachtsmarkt in Haubinda: Trotz widriger Wettervorhersagen und Sturm und Regen in der Nacht, blieb es tagsüber weitgehend trocken, hellte im Laufe des Tages auf und als kleines Dankeschön gab es am Nachmittag noch ein zaghaftes und freundliches Lächeln der Sonne, verbunden mit einem kleinen Abendrot zum Ausklang eines gelungenen Weihnachtsmarktes.

Text und Fotos: Volker Kilgus

Steinmühle in Marburg ist „digitales Internat“

Die Digitalisierung schreitet voran. Sie aktiv und gleichzeitig reflektiert zu nutzen, wird künftig ein wichtiger Faktor im Allgemeinen und beruflichen Leben sein. Für die Steinmühle bedeutet ,,Digitales Internat deshalb, die vielfältigen Möglichkeiten, die sich aus der Digitalisierung ergeben, für die jungen Menschen bereitzustellen und als ,,natürlichen“ Bestandteil in den Lern- und Lebensalltag zu integrieren.

Technisch und pädagogisch gut aufgestellt
Die Steinmühle mit Schule & Internat hat deshalb schon frühzeitig begonnen, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, dass alle Schüler*innen einfachen Zugang zu online verfügbarem Wissen haben, etwa durch schnelles Glasfasernetz, sehr gutes Wlan, eigene Clouds, eigene Server auf dem Gelände, Laptops und iPads im Lernbüro wie auch eine umfangreiche Sammlung an Lernvideos. Die pädagogische Aufmerksamkeit richtet die Steinmühle vor allem auf die Nutzung von digitalen Medien. Dafür wurde eigens eine Medienpädagogin ans Internat geholt, die das Thema im Team wie auch mit den Schüler*innen bearbeitet.

Schüler leiten Arbeitsgemeinschaften
Und schließlich gib es spezielle AGs, die von den Schüler*innen selbst realisiert werden. Hier zwei Beispiele:

AG Digitales Zeichnen: Ein idealer Raum für Kreative
Francis Wang ist 19 und findet es äußerst komfortabel, dass er ab sofort keine Platzprobleme mehr hat. Denn alles ist voll: Die Sammelmappe, die Wände – und sein Kopf. Dort plant er nämlich gerade schon sein nächstes Meisterwerk: An kreativen Einfällen mangelt es ihm nicht – nur muss er die Ergebnisse auch unterbringen. Ab jetzt ist das kein Problem mehr. Er tauschte die Leinwand gegen ein Tablet und lernte den Umgang mit einer Zeichen-App.
Inzwischen hat der Internatsschüler der Steinmühle Routine darin. Aber nicht nur das. Er traut sich durchaus zu, sein Wissen auch weiterzugeben. Gern leitet er Mitschüler*innen an, das Bearbeitungsprogramm kennenzulernen, damit auch sie ihren kreativen Ideen freien Lauf lassen können. Die Sorge, wo alles aufzubewahren ist, gehört schließlich der Vergangenheit an. Und noch eine Option bietet sich den „Digital Creatives“: Sie können ihre Werke auf Wunsch sofort mit Freunden teilen!

AG für Programmierer*innen: Konstantin (14) zeigt’s euch!
Programmierer stellt man sich so vor: Mal mindestens Mitte zwanzig, das Abi längst in der Tasche und jenseits von allem, was „Schule“ heißt. Diese Hürde hat Konstantin Knorre noch nicht genommen, programmieren tut er trotzdem. Seit einem Jahr ist der 14jährige Internatsschüler der Steinmühle in diesem Bereich aktiv, jetzt belegte er „Programmieren“ im Wahlpflichtunterricht. Zusätzlich bietet er in diesem Fach eine AG für Mitschüler*innen an. Zwei eigene Handyspiele hat er bereits programmiert. Darin muss er Hindernissen ausweichen oder sich bewegende Planeten vor einer Kollision bewahren. Konstantin arbeitet mit dem Programm „unity“ in der Originalprogrammiersprache „c#“. Damit sind komplexe dreidimensionale Programmierungen möglich.

Digitalisierung also ,,normaler“ Bestandteil der Lebenswelt
Wenn wir, so der Tenor an der Steinmühle, die Digitalisierung als Teil der Lebenswelt junger Menschen akzeptieren, können wir sie in den Lern- und Lebensalltag sinnvoll integrieren. Und zwar unaufgeregt, selbstverständlich, wertfrei. Smartphones und Co. werden dann (idealerweise) weder Störfaktor noch Suchtmittel, sondern als Werkzeug und Chance begriffen.

Gesang und Tanz mit Jugendlichen aus aller Welt

Musik verbindet, daher ist die US-amerikanische Organisation ,,Up with People auch schon seit 54 Jahren erfolgreich. Derzeit reisen wieder rund 100 junge Menschen aus 15 unterschiedlichen Ländern gemeinsam ein halbes Jahr durch die Welt, leben in Gastfamilien und bedanken sich bei diesen mit einer Show für die Aufnahme. Etwa die Hälfte der Gruppe, die zurzeit in Donaueschingen Station macht, hatten die Fachschulen für Sozialwesen und Sozialpädagogik der Zinzendorfschulen jetzt nach Königsfeld geholt, um mit den Schülerinnen und Schülern in Workshops gemeinsam zu singen und zu tanzen.

Ein Teilnehmer der Gruppe ist der Syrer Ahmed, der sich an den Zinzendorfschulen zum Jugend- und Heimerzieher ausbilden lässt. Für seine Teilnahme an dem Programm ,,Up with People“ wurde er vom Schulbesuch beurlaubt. Durch ihn kam der Kontakt zu der Gruppe zustande und als die Jugendlichen im Schwarzwald-Baar-Kreis gastierten, hatten die Fachschulen die Chance wahrgenommen, die Workshops zu organisieren. Die Zinzendorfschulen spendierte den Bustransport und einen Snack für die Jugendlichen, zum Mittag hatten die angehenden Erzieherinnen und Erzieher Fingerfood vorbereitet. Der Tag begann mit Workshops für die Unterstufe, anschließend war die Mittelstufe an der Reihe und zum Abschluss die Fachschüler.

,,Durch das Programm sieht man die Welt mit anderen Augen“ sagt Ahmed, der bereits mit der Gruppe in Kanada und in der Schweiz war. Er sagt, die Teilnehmer würden vor allem durch die Begegnung mit den Gastfamilien weltoffener und bestätigt damit einen der Slogans der Organisation: ,,Let places become faces“ – zu Deutsch: ,,Lasst aus Orten Gesichter werden“.

Weihnachtsmarkt im Lietz Internatsdorf Haubinda am 07. Dezember 2019 ab 12.22 Uhr

Besuchen Sie den Weihnachtsmarkt im Lietz Internatsdorf Haubinda und erleben Sie besinnliche Stunden sowie viele Attraktionen für Groß und Klein.

12.22 Uhr: Der Weihnachtsmarkt wird eröffnet.
Die Weihnachtsbuden stehen im Bereich der Werkstatt bis zum Gewächshaus. Der Dorfladen, das Backhaus, die Spinnstube und das Gewächshaus sind am Weihnachtsmarkt geöffnet. Angeboten werden viele weihnachtliche Bastelarbeiten.

14.00 Uhr: In der Grundschule findet eine Kapelle mit dem Theaterstück ,,Eine schöne Bescherung statt.

17.00: Uhr In der Turnhalle führt der Chor ein Mini-Musical ,,Der verblasste Weihnachtsstern“ auf.

Für das leibliche Wohl ist auf dem gesamten Weihnachtsmarkt bestens gesorgt.

Das ganze Team des Lietz Internatsdorfs Haubinda freut sich auf Ihren Besuch und wünscht Ihnen jetzt schon eine besinnliche Vorweihnachtszeit.

© 2026 Unterwegs Verlag GmbH