Plus-MINT-Schüler:innen des Steinmühleninternats arbeiten eng mit der Geowissenschaft der Philipps Universität Marburg zusammen

Fabian (16), Luis (15), Clara (15) und Marlene (15) sitzen im Raum (126) der Steinmühle und stecken die Köpfe zusammen. Sie besprechen die nächsten Schritte ihres gemeinsamen plus-MINT Projekts, dem „Boot-Projekt“.

Rückblick: seit Sommer 2022 sind die vier plus-MINT-Schüler:innen des Steinmühleninternats und bereichern sowohl den MINT-Bereich der Steinmühle als auch die Internatsgemeinschaft. Im Herbst 2022 starteten die Überlegungen zu einem ersten großen, eigenständigen Projekt „Wir haben uns ein gemeinsames Projekt gewünscht, bei welchem sich jeder von uns mit seiner/ihrer jeweiligen MINT-Leidenschaft einbringen kann und darüber hinaus eine Relevanz für die Praxis hat“, erzählt Fabian.

Antje Seel, seit 2019 Lehrerin an der Steinmühle mit den Fächern Biologie und Geographie, nahm für das plus-MINT-Pilotprojekt Kontakt zu Dr. Christoph Reudenbach vom Fachbereich Geographie der Philipps Universität Marburg auf. Die Philipps Universität Marburg und die Steinmühle haben seit 2018 einen Kooperationsvertrag, eine starke und strategische Partnerschaft in vielerlei Hinsicht.

Dr. Christoph Reudenbach zeigte großes Interesse an einer Zusammenarbeit und entwickelte mit den plus-MINTIs (wie sie im Internat liebevoll genannt werden) eine Idee für ein Boot, das halbautomatisch Wasseranalysen durchführen kann.

Boot-Projekt in Kooperation mit Dr. Reudenbach vom Fachbereich Geographie

Die Idee ist, ein autonom fahrendes, mit Sensoren ausgestattetes Boot zu bauen, um das sensible Ökosystem im Renaturierungsgebiet der Gisselberger Spannweite (unmittelbar neben dem Gelände der Steinmühle gelegen) möglichst nicht betreten zu müssen. Diese Plattform soll die Gewässergüte in der Lahn bestimmen und auch Wasserproben entnehmen können.

In enger Zusammenarbeit mit den Geowissenschaften der Universität Marburg wurde aus der „Boot-Idee“ das Boot-Projekt. Dr. Christoph Reudenbach vom Fachbereich Geographie unterstützt die plus-MINT-Schüler:innen dabei tatkräftig mit seiner Expertise. Darüber hinaus werden die Schüler:innen vom MINT-Team der Steinmühle, Antje Seel, Dr. Patrick Szabo und Dr. Jutta Töhl-Borsdorf betreut.

„Solche Projekte sind nur mit viel persönlichem Engagement und Idealismus Einzelner möglich. Dr. Reudenbach kommt regelmäßig in die Steinmühle und steht den Schüler:innen bei ihrem Projekt zur Seite, immer auf Augenhöhe und sehr zugewandt. Das ist eine großartige Möglichkeit für die Schüler:innen zu lernen, wie man komplexe Apparaturen baut und selbstständig programmiert, um sie für Forschungszwecke zu nutzen und darüber hinaus ihr Wissen in den Bereichen Robotik, Programmierung und auch Umweltwissenschaften zu vertiefen“, berichtet Dr. Jutta Töhl-Borsdorf, Leiterin des MINT- und plus-MINT-Bereichs in der Steinmühle.

„Im Boot-Projekt finden sich unsere MINT-Expertisen wieder UND es passt perfekt zur Steinmühle mit seiner unmittelbaren Nähe zur Lahn“, erzählt Luis.

Auszeichnung durch die Hopp Foundation und Preisgeld in Höhe von 2.500,- € 

Welche Relevanz und Aktualität das „Boot-Projekt“ hat, zeigte sich mit einer besonderen Auszeichnung, welche der Steinmühle im März 2023 zu Teil wurde:

Für ihr Engagement im MINT-Bereich konnte die Steinmühle den mit 2.500,- € dotierten Schulpreis der Hopp Foundation im Rahmen des „Jugend forscht“- Landeswettbewerbs gewinnen. Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb war ein ausführliches Bewerbungsschreiben, in welchem das Boot-Projekt der plus-Mint-Schüler:innen einen wesentlichen Anteil hatte.

„Ich hätte nicht erwartet, dass wir direkt den Hopp-Preis gewinnen, obwohl das Projekt noch so in den Anfängen steckte, da haben wir wohl den Nerv der Jury getroffen“ berichtet Luis stolz.

Ein Teil des Preisgeldes wurde bereits in einen leistungsstarken 3D-Drucker investiert. „Jetzt können wir die Halterungen für die Sensoren auf dem Prototyp professionell und maßgeschneidert drucken, das ist richtig cool,“ so Clara.

Das „Boot-Projekt“ inklusive Prototyp soll beim nächsten „Jugend forscht“- Wettbewerb eingereicht werden. Wir drücken dem plus-MINT-Team fest die Daumen.

Ab Herbst 2023 startet die nächste plus-MINT Bewerber:innen-Runde. Mehr Infos unter www. plus-mint.de

 

ECO: Das neue Oberstufenprofil

Die Schule Marienau bietet seit dem Schuljahr 2022/23 ein in Niedersachsen einzigartiges Profil für die Oberstufe: ECO. Es verbindet die Themen unserer Zeit und verdichtet sie in einem eigenen Curriculum. Die Schule Marienau ist ein staatlich anerkanntes Internatsgymnasium in freier Trägerschaft und nimmt am Zentralabitur des Landes Niedersachsen teil.
„Erfolg in der Bildung bedeutet nicht nur das Lernen von Sprachen, Mathematik oder Geschichte, sondern auch die Entwicklung von Identität, Handlungsfähigkeit und Sinnhaftigkeit. Es geht darum, Neugier und Wissensdurst zu wecken, den Intellekt für Neues zu öffnen. Es geht um Mitgefühl, darum, die Herzen zu öffnen. Und es geht um Mut, um die Fähigkeit, unsere kognitiven, sozialen und emotionalen Ressourcen zu mobilisieren.“[1]
ECO – ein neues Profil für die Oberstufe
Die Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts wie Globalisierung, Klimawandel und Digitalisierung bestärken uns darin, die entsprechenden Fragestellungen auch im Unterricht fokussierter und im Zusammenhang zu bearbeiten. Aus dieser Überzeugung heraus hat die Schule Marienau den Schwerpunkt Ökonomie-Ökologie für die Sekundarstufe II erarbeitet. Das ECO-Profil stellt die Frage „Wie wollen wir leben?“ und richtet damit den Blick in die Zukunft, nachhaltig und verbindlich.
„Nachhaltigkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Es durchzieht unsere Lebenswelt und noch mehr die der Kinder und Jugendlichen. Es soll nicht nur Überschrift, sondern Leitlinie für ihre Lebensentwürfe sein,“ so die ehemalige Leiterin Heike Elz, in deren Zeit das Profil entwickelt wurde. Ihr Nachfolger Lars Humrich, seit dem Sommer 2022 neuer Leiter der Schule Marienau, begleitete den ersten Jahrgang im ECO-Profil und ist begeistert: „Es ermöglicht uns, viel intensiver an aktuellen Themen zu arbeiten, weil wir sie besser verzahnen können. Die Projektphasen sind wertvolle Zeitfenster zur gemeinsamen Arbeit. Wie bei allem Neuen gilt es fortlaufend zu reflektieren und zu prüfen, wo Bedarf zur Nachsteuerung besteht, doch wir haben offensichtlich einen Nerv getroffen. Fast die Hälfte des Jahrgangs hat sich für dieses besondere Angebot entschieden und das zeigt uns, das es das ist, was die Jugendlichen interessiert.“
Das bietet ECO: Selbstorganisation und Eigenverantwortung auf dem Lehrplan
• ECO gibt den Schüler*innen neue Anregungen und Kompetenzen an die Hand, die sie für die Gestaltung zukünftiger Arbeitsplätze, einer demokratischen Gesellschaft und sinnstiftender individueller Lebensentwürfe brauchen.
• ECO bietet Zeitfenster zur Projektarbeit, in denen die Schüler*innen an außerschulischen Lernorten und selbständig arbeiten. Besuche vor Ort, Einbindung von Expert*innen und vor allem die fächerübergreifende Arbeit machen das Profil einzigartig.
• ECO ist eine Antwort auf die intensive Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Klimawandel, die Tradition Marienaus, individuelles und selbstständiges Lernen zu ermöglichen und die sozialen und ökologischen Werte, die Marienau als UNESCO-Schule mitbringt.
Das ECO-Profil ersetzt an der Schule Marienau den herkömmlichen gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt. Die Fächer Erdkunde und Politik/Wirtschaft sind profilgebend, sie werden durch Biologie ergänzt.
Mehr zum Aufbau unserer Oberstufe und dem ECO-Profil im Besonderen finden Sie auf unserer Seite marienau.de

[1] Andreas Schleicher, OECD Lernkompass 2030, Vorwort, September 2020, S. 6.

Zum Info-Flyer: Marienau_ECO-Profil_2022

Foto: t&w –
Dahlenburg Schule Internat Marienau -„wie lernen wir in der Zukunft?“.

 

Das Gras ist grün auf dem Klavier

Wie man mit einem ausgedienten Flügel Natur und Kultur vereint

 

Schülerinnen und Schüler am Max-Rill-Gymnasium Schloss Reichersbeuern haben sich von der Idee der Rasenklaviere des griechischen Künstlers und Umweltaktivisten Stefanos Milkidis inspirieren lassen: sie hauchten einem an der Schule ausgemusterten (mehr …)

Auf Kamelen durch die Sahara

Unsere Salemer Delegation erlebt auf einer Reise nach Marokko die Round Square-IDEALS.

Seit Monaten schon haben wir uns auf diesen Moment gefreut. Wir, eine Delegation aus insgesamt acht Schüler:innen, durften Mitte März im Rahmen einer Round Square-Konferenz nach Marokko fliegen. Dafür, dass es „nur“ eine regionale Konferenz war, nahmen erstaunlich viele Schulen von überall aus der Welt teil. Vertreter:innen aus den Vereinigten Staaten, Pakistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien und viele mehr waren zu Gast. Unter ihnen auch wir!

Nach dem Regen am Bodensee, einem dreistündigen Flug und mehreren Stunden Verspätung sind wir in der Hauptstadt gelandet. Schon am Flughafen wurden wir herzlich von den Schüler:innen der Elaraki Schule empfangen und in unser Hotel gebracht. Meist teilten sich drei bis vier Delegierte ein Zimmer, sodass wir direkt bei den anderen Schulen anknüpfen konnten.

Alle Tage waren eng getaktet. Der erste Tag stand ganz unter dem Motto „Die Kultur kennenlernen“. Mit festlicher Schulkleidung starteten wir um 7:30 Uhr in die „Opening Ceremony“. Gefolgt wurde diese von mehreren Reden über die Round Square-IDEALS (Internationalism, Democracy, Environment, Adventure, Leadership und Service) und den „Baraza Groups“. Letztere waren Kleingruppen, in welchen wir uns jeden Tag trafen, um über den Tag, die IDEALS, die verschiedenen Kulturen und Probleme der Welt zu diskutieren. Diese empfanden wir immer als sehr interessant un  d  aufschlussreich. Nicht nur, weil von fast jeder Schule immer mindestens ein:e Delegierte:r vertreten war, sondern auch wegen der unterschiedlichen Meinungen und Bereitschaft, diese kundzutun. Anschließend fuhren wir in die Medina (Altstadt) und hatten die Möglichkeit, auf den Markt zu gehen. Den Abend ließen wir mit typisch marokkanischem Essen und Musik auf einer Dachterrasse über dem Markt ausklingen.

Den Dienstag verbrachten wir auf einer Öko-Farm. Dort wurden wir von Schüler:innen der Elaraki School im Empfang genommen und fingen direkt an, in der prallen Sonne zu arbeiten. Unter anderem pflanzten wir Bäume, recycelten Plastik, klebten Fliesen auf und halfen beim Kochen. Wir arbeiteten immer mit anderen Delegierten oder lokalen Schüler:innen zusammen, was das ganze nie langweilig werden ließ und uns so viel Raum zum Entdecken anderer Kulturen bot.

Am darauffolgenden Tag ging es für uns in eine andere Schule in die Berge, welche wir neu angestrichen und neugestaltet haben. Anschließend bastelten wir einen Fußball aus Plastik und Tape, weil es keinen richtigen gab, und spielten mit den Jungen von dort Fußball. Kurz darauf kamen auch die Mädchen dazu und wir haben alle laut singend in der Sonne getanzt und einen Heidenspaß gehabt. Das Lachen der Kinder und das Leuchten in ihren Augen werden wir alle sicherlich nicht vergessen!

Am Abend fand die „Cultural Night“ statt. Jede Schule führte einen Tanz, ein Lied oder ähnliches vor. Die deutschen Schulen Landheim-Schondorf, Birklehof und Salem schlossen sich zusammen und performten das Flieger-Lied. Und was sollen wir sagen? Es war ein voller Erfolg. Die anderen Schüler:innen und Lehrer:innen sind sofort aufgesprungen und haben mitgemacht. Selbst nach unserer Abreise haben uns marokkanische Schüler:innen noch Videos geschickt, wie sie in ihren Freundeskreisen das Flieger-Lied aufführen.

Den letzten Tag begannen wir mit Kultur im Wasser-Museum. Hier wurde uns viel über die nachhaltige und diverse Wasser-Gewinnung und -Nutzung erzählt. Als die Führung und die Schlusszeremonie der Schule zu Ende war, traten wir unsere Reise in die Agafay-Wüste an. Angekommen, wanderten wir erst durch die Wüste und ritten dann auf Kamelen wieder zurück. Das war durchaus eine einmalige Erfahrung, aber wir waren alle froh, als wir den Abend dann mit Feuer, gutem Essen und interessanten Gesprächen unter sternenklarem Himmel zu Ende gingen ließen.

Nun hieß es auch schon Abschied nehmen, zumindest von den meisten. Vier Schulen, darunter auch wir, traten die Weiterreise in die Sahara an. Nach einer nicht enden wollenden Busfahrt stiegen wir mit einem kleinen Rucksack im Gepäck auf die Kamele und ritten mit der untergehenden Sonne im Rücken in unser Wüstencamp. Stundenlang tanzten wir mit den Kamelführern um das Feuer und betrachteten die Sterne. Keiner von uns hatte zuvor jemals so einen atemberaubenden Sternenhimmel gesehen. Am nächsten Tag stand auch schon der Abflug bevor. Nachdem wir morgens noch mal etwas Zeit auf dem Markt verbracht hatten, machten wir uns auf den Weg zum Flughafen und traten die Heimreise an.

Summa summarum war die Reise wirklich kräftezehrend, aber dennoch ein voller Erfolg. Wir alle würden sie genauso noch mal machen. Wir sind voller positiver Eindrücke, Motivation und neuer Perspektiven zurückgekommen und ermutigen jeden, an einer Round Square-Reise teilzunehmen.

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